Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein
Es ist leider nicht bekannt, ob die Fürstin Feldmarschallin Werdenberg, Kosename «Bichette», eine eifrige Nietzsche-Leserin war. Lauscht man ihrer von milden F-Dur-Klängen ummantelten Introspektion im ersten Akt von Strauss’ «Rosenkavalier», darf man allerdings davon ausgehen. Wie sonst wüsste sie so genau um das Wesen menschlicher Existenz, um die Vergänglichkeit alles Bestehenden.
Auch für Marie Therés, wie Octavian sie in vertrauten Augenblicken anspricht, ist das Dasein ein «ununterbrochenes Gewesensein», jede Gegenwart im Grunde schon Vergangenheit – und die Zukunft nur ein Vorschein des Todes. Mit dieser traurigen Gewissheit erinnert sich die stolze, wissende Frau an jene Zeit, in der sie selbst noch ein «Madel» war, eine schleierumwehte Braut im schneeweißen Kleid. Polina Pastirchak hat dazu einen vorsintflutlichen Filmprojektor von der Nachtkommode geholt, die neben einer schicken Chaiselongue, einem Stuhl, einer alten Standuhr und Gemälden, die heute ein Vermögen kosten würden, das Interieur des adeligen Salons bildet; noch einmal lässt sie, mit zart aufblühendem Mezzo, die (von väterlicher Seite arrangierte) Hochzeit mit dem Feldmarschall Revue passieren. Doch was und wen ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth, 1968 in der Steiermark geboren, verfolgt seit Langem und erklärtermaßen die Absicht, dass es ihr, wenn sie die Kunstform Oper ansteuert, nicht darum zu tun ist, die bewährte «Synthese» der Künste zu realisieren, und auch nicht darum, irgendeine Form des Gesamtkunstwerks zu suchen; sie strebte immer schon zu etwas...
Nein, dieses klingende «Bildnis» ist überhaupt nicht bezaubernd schön, es ist erschreckend finster, nahezu apokalyptisch. Und war an der Staatsoper Prag noch nie zu bestaunen – Poulencs «Dialogues des Carmé-lites» erleben an diesem Maiabend ihre szenische Erstaufführung. Während das vollbesetzte, von Hermann Bäumer angeführte Orchester des Hauses im Pulk durch den...
Wie alle barocken Seria-Opern ist auch Händels «Sosarme» ein Sängerfest, in dem sich die Da-Capo-Arien der Solisten wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. Dennoch macht der selten aufgeführte, auch auf Tonträgern vernachlässigte «Sosarme» eine Ausnahme, weil es keine der 21 Solonummern ist, die sich besonders einprägt, sondern das Duett «Per le porte del...
