Die Welt, wie sie ist ...
Vielleicht haben sie in einer Kühlkammer geruht, im Zustand zwischen nicht mehr lebendig und tot, auf dass sie, wie in dieser Aufführung geschehen, jederzeit reanimiert werden können, und auch, um wichtigen Fragen nachzugehen: Was hatte es eigentlich auf sich mit den rivalisierenden Königinnen? Wie verliefen die Kraftfelder der Macht, wer steuerte sie? Und gab es da nicht doch mehr Gemeinsamkeiten, als es die Hofschranzen mit ihren Eigeninteressen wahrhaben wollten? Die schottische Monarchin Mary Stuart und ihr englischer Widerpart Elizabeth I.
hatten tatsächlich Kontakt, allerdings über Briefe. Das Kratzen der Feder, ein rhythmisiertes Geräusch, ist das tonlose Leitmotiv dieser Partitur. Auch wenn Komponist Brett Dean wie schon Friedrich Schiller oder Gaetano Donizetti damit im frei Erfundenen flaniert: Ein Showdown zwischen den Königinnen macht sich eben allemal besser als die historische Realität. Mit «Of One Blood», uraufgeführt an der Bayerischen Staatsoper, dockt der Australier und Ex-Bratschist der Berliner Philharmoniker also an ein erprobtes Setting an. Mary und Elizabeth dürfen sich direkt begegnen, der existenzielle, macht- und religionspolitische Streit der beiden ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Markus Thiel, Anselm Gerhard, Jürgen Otten, Richard Lorber, Michael Kaminski
Omer Meir Wellber macht diese Premiere zur Chefsache. Damit setzt Hamburgs Generalmusikdirektor ein Zeichen, stellt «Il barbiere di Siviglia» neben die Wagner-Opern «Lohengrin» und «Tristan und Isolde», Schumanns «Paradies und die Peri», Strauss’«Salome» und Mozarts «Così». Er scheint mit der bunten Repertoirewahl seiner ersten Saison weniger seine vielseitige...
Letzten Dingen haftet nicht selten die Aura des Außergewöhnlichen an, zumal wenn es sich dabei um Kunstwerke handelt, deren Wirkung noch Jahrhunderte danach zu spüren ist. Ludwig van Beethovens Streichquartett op. 135 in F-Dur zählt zweifelsohne in diese Kategorie, es ist das markante Schlusswort eines in vielfacher Hinsicht revolutionären Komponisten. Er selbst...
Siebenundzwanzig Takte gewähren nicht gerade viel Zeit und Raum, so man eine dichtgewebte Atmosphäre kreieren möchte. Giuseppe Verdi jedoch genügten sie, um das Meer vor Genua in klangmalerische, fast impressionistische Töne zu fassen – wie es wogt und schäumt, sanft hin- und herschaukelt in der Abendsonne, wie es erst vorsichtig (pianissimo), später dann, ab Takt...
