Immerwährende Liebe
Im späten 19. Jahrhundert hat sich das Orchesterlied vom klavierbegleiteten Sololied getrennt und als eigenständige Gattung etabliert. Das kammermusikalische Lied dagegen ist stets ein subversiver Solitär geblieben, dessen formale Abweichungen sich auf keinen Nenner bringen lassen. Dies belegen drei völlig unterschiedliche Lied-Opern, die Barbara Hannigan und das amerikanische Emerson String Quartet auf ihrer überragenden CD vereinen.
Die kanadische Sopranistin war stets eine weniger an den eleganten Haupt- als an den abseits gelegenen Nebenstraßen der Musikgeschichte interessierte Künstlerin. Ihre Partnerschaft mit dem Emerson String Quartet, das mit dieser Aufnahme seine letzte CD nach 47-jährigem Bestehen vorlegt und sich zum Jahresende auflöst, ist ein Glücksfall. Es ist der Herzschlag der Sehnsucht, der die beiden verbindet – einer Sehnsucht, die, mit einem Vers Hölderlins, in diesen Liedern geradewegs «ins Ungebundene», ja darüber hinaus führt.
Im Zentrum steht Schönbergs zweites Streichquartett in fis-Moll. Dem 1907/08, zur Zeit einer schweren Lebenskrise entstandenen Werk kommt im Übergang von der Spät -romantik zur Moderne, von der Funktionsharmonik zur Atonalität eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Uwe Schweikert
JUBILARE
Christopher Robson, 1953 im schottischen Städtchen Falkirk geboren, gilt als einer der Pioniere und bedeutenden Vertreter des Countertenor-Gesangs. Seit seinem Debüt an der English National Opera (ENO) in Monteverdis «L’Orfeo» interpretierte er dort in 17 Jahren zahlreiche Rollen vom Barock bis zur Moderne, unter anderem Arsamene in Händels «Ser -se»,...
Der Dirigent fehlt. Für sein neues Album hat sich Jakub Józef Orliński zwar erneut der Dienste des Ensembles Il Pomo d’Oro versichert, doch Maxim Emelyanychev steht nicht, wie sonst bei solchen Studioproduktionen, an dessen Pult. Die Gründe liegen im Dunkeln, doch schon nach einmaligem Hören lässt sich eines mit Gewissheit sagen: Es geht auch ohne. Die Musikerinnen...
Richard Straussens «Elektra» ist zwar, der monströsen Musik zum Trotz, ein kompaktes Werk; dass es aber ausgerechnet in einem Ausweichquartier zu einer seltenen Kraft und Durchdringung kommt, war so nicht zu erwarten. Der Regisseurin Nina Russi und dem Dirigenten Enrico Calesso gelingt dieses eigentlich gar nicht so kleine Musiktheaterwunder in der Theaterfabrik...
