Editorial Opernwelt 7/26
Es ist nur eine Karikatur. Aber sie erzählt viel über das Demokratie-Verständnis einer Partei, die demnächst auf Länderebene mit absoluter Stimmenmehrheit regieren könnte. Die Zeichnung, die unter dem Titel «Neulich in Sachsen-Anhalt» einen politischen F.A.Z.-Artikel über den drohenden Machtwechsel in diesem Bundesland ziert, zeigt zwei alte, grimmig glotzende Männer mit Glatzen (!), die auf einer Bank an einer verwaisten Bushaltestelle sitzen, Bierdosen in den Händen, Springerstiefel an den Füßen, hinter sich eine Bäckerei, über sich zwei Sprechblasen.
Die linke unkt: «Unser Dönerladen wird bald in Erwin-Rommel-Grill umbenannt, Atze», die rechte repliziert: «Und einen Tante-Eva-Laden kriegen wir auch.» Ganz so weit ist es gottlob noch nicht. Ein Blick in die deutsche Geschichte aber genügt, um die Zeichen der Zeit richtig zu deuten: Es wird sich einiges und nicht eben zum Vorteil für die Diversität in diesem Land ändern, sollte die «Alternative für Deutschland» tatsächlich im Herbst die Regierungsgeschäfte in Sachsen-Anhalt übernehmen. Wer immer noch glaubt, dies sei nicht mehr als ein Schreckgespenst, sollte einen Blick in das Parteiprogramm der in Sachsen-Anhalt vom ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Ein kompakter Quader mit großen gläsernen Fensterfronten, daneben ein gedrungener Ziegelbau, an dem sich eine wacklig wirkende Feuertreppe herabschlängelt – so könnten auch ein in die Jahre gekommenes Schwimmbad oder ein Einwohnermeldeamt aussehen. Höchstens das rot getünchte Stück Weg, das über den zementierten Vorplatz zum Haupteingang führt und mit ausreichend...
Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth, 1968 in der Steiermark geboren, verfolgt seit Langem und erklärtermaßen die Absicht, dass es ihr, wenn sie die Kunstform Oper ansteuert, nicht darum zu tun ist, die bewährte «Synthese» der Künste zu realisieren, und auch nicht darum, irgendeine Form des Gesamtkunstwerks zu suchen; sie strebte immer schon zu etwas...
ANNA, ESTER, RUUT, JOONATAN, NAOMI. In roten Lettern schreibt ein Mädchen Namen auf eine transparente Plane. Sie selbst ist nur schemenhaft zu erkennen, die durchsichtige Wand umgibt sie von allen Seiten, wie eine eckige Schneekugel. Hindurch schimmern Formen einer Waldlichtung: Moos, Gräser, Geäst. Vielleicht ein Stück konservierte Kindheit? Und die rote Farbe –...
