Hoffnung auf hellere Himmel

Das Stück und sein Schöpfer sind in Vergessenheit geraten – zu Unrecht. Eine Erinnerung an den DDR-Komponisten Fritz Geißler und dessen vor 50 Jahren uraufgeführte Kleist-Oper «Der zerbrochene Krug»

Erinnern wir uns. 1971, das war nicht nur das Jahr, in dem Igor Strawinsky starb, Willy Brandt den Friedensnobelpreis erhielt und in der Bundesrepublik Deutschland Tausende Frauen gegen den Abtreibungsparagrafen 218 demonstrierten, nicht nur das Jahr, in dem das Berlinabkommen der vier Siegermächte sowie das Transit-Abkommen zwischen den beiden deutschen Staaten in Kraft trat, Erich Honecker, und das äußerst ruppig, Walter Ulbricht als Ersten Sekretär des ZK der SED ablöste und der Lyriker Peter Huchel die DDR verließ.

1971 war auch das Jahr, in dem einige hochrangige Kunstwerke geschaffen wurden: so etwa Luchino Viscontis Thomas-Mann-Verfilmung «Morte a Venezia», das Theaterstück «Hölderlin» von Peter Weiss, Heinrich Bölls Roman «Gruppenbild mit Dame», Golo Manns imposante «Wallenstein»-Studie – und eine komische Oper von Fritz Geißler - «Der zerbrochene Krug» auf Kleist, nur eben mit einem «e» mehr.

Fritz Geißler? Die meisten Opernliebhaber und vermutlich auch eine nicht geringe Zahl von Experten werden hilflos mit den Schultern zucken, wenn sie diesen Namen hören. Seine Werke, in der DDR vielfach aufgeführt und vielfach goutiert (dazu später mehr), sind komplett von den ...

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Opernwelt April 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten

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