Gesamtkunstwerk von der Müllhalde

Die Uraufführung vor 50 Jahren war ein echter Skandal und das nicht zufällig. Mauricio Kagels «Staatstheater» ist das Negativ einer Oper, ein bilderstürmendes Werk, das die Möglichkeiten eines Opernhauses bis zum Extremsten ausschöpft. Eine Würdigung

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Sprengt die Opernhäuser in die Luft!» Pierre Boulez’ bis zum Überdruss zitierter Satz aus seinem «Spiegel»-Gespräch vom 25.9.1967 bringt auf den Begriff, was die junge Komponistengeneration, die sich seit 1946 alljährlich bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik traf, von der Oper hielt – nichts.

Ob John Cage, György Ligeti, Bruno Maderna, Luigi Nono oder Karlheinz Stockhausen, sie alle haben erst spät die erstarrte Form gesprengt und die Oper den jedenfalls aus ihrer Sicht reaktionären Kollegen Benjamin Britten, Hans Werner Henze, Giselher Klebe oder Gian Carlo Menotti überlassen. Anti-Opern wie Nonos «Intolleranza» (1961) und Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» (1965) blieben vereinzelte, bis heute nachwirkende Meteoriten. Der scholastische Serialismus der Webern-Nachfolge, den die Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg einschlug, und die Institution Oper vertrugen sich schlecht.

Der Anstoß zu einer anarchisch-lustvollen Entgrenzung des Musiktheaters kam aus ganz anderen Ecken – den grotesk-banalen Installationen Jean Tinguelys aus Alltags- und Fundobjekten, den provozierenden Fluxus- und Happening-Aktionen von Joseph Beuys und Wolf Vostell, nicht zuletzt von dem aus ...

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Opernwelt April 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert

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