Höllensturz
In früheren Opernzeiten diskutierte man über das Verhältnis von Wort und Ton in der Oper «Capriccio» von Richard Strauss, und Clemens Krauss darf in diesem ästhetischen Streit als genialisches Schlusswort gelten. In der Gegenwart müssen sich Wort und Ton immer mehr verbünden: Der Gegner, mit dem um die Vorherrschaft gerungen wird, heißt Video. Das Geflimmere auf den Bildschirmen überflutet oft Musik, Sänger und die eigentliche Geschichte, die erzählt werden sollte. Beispiele: Bill Violas und Peter Sellars’ «Tristan» in Paris, William Kentridges Brüsseler «Zauberflöte».
Natürlich kommt es letztlich auf die dramaturgisch begründete Einbeziehung des Filmisch-Optischen in das vorgegebene Opernwerk an.
Insofern möchte man der Inszenierung Guy Cassiers von Wagners «Fliegendem Holländer» an der Brüsseler Oper den Status eines weiteren Versuchs zubilligen, die Video-Ästhetik mit der Ästhetik einer vorliegenden Oper zu verbinden. Von Guy Cassiers kennt man hierzulande von den Ruhrfestspielen eine ausgezeichnete, sehr dichte Inszenierung von Kris Defoorts «Woman Who Walked into Doors». Natürlich ist das noch keine Qualifikation für eine Wagner-Oper. Oder doch? Die Projektionsästhetik bei ...
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Die Bassariden», ließ Hans Werner Henze anlässlich einer von Gerd Albrecht geleiteten konzertanten Aufführung in Berlin vernehmen, deren Mitschnitt 1991 auf CD erschien, halte er im Rückblick für sein «wichtigstes Theaterwerk». Er verstehe sie aus der Distanz viel besser, liebe sie auch viel mehr als damals (1965/66), «als ich sie schrieb – hektisch und in einer...
Ein (fast) leeres Bühnenhaus mit Hunderten kleiner Glühbirnen als schwebendem Himmel und einer Zugstange zum Sitzen, Schaukeln, Hangeln und Anlehnen; die Zuschauer auf einer Tribüne über dem Graben; zehn Musiker (mit Originalinstrumenten!) seitlich auf einer Empore; engagierte, musikalische Sänger; eine prägnante Regie und die präzise, lebendige, ausnehmend...
Ein Kommunikationsgenie wie den britischen Dirigenten Simon Rattle hat es in der klassischen Musikhemisphäre wohl seit den Tagen Lenny Bernsteins nicht mehr gegeben. Dass Rattle (nicht erst als Nachfolger Claudio Abbados am Chefpult der Berliner Philharmoniker) zu den Top Ten der stabführenden Zunft aufschoss, ist nicht nur auf sein stets frisch wirkendes...
