Höllensturz
In früheren Opernzeiten diskutierte man über das Verhältnis von Wort und Ton in der Oper «Capriccio» von Richard Strauss, und Clemens Krauss darf in diesem ästhetischen Streit als genialisches Schlusswort gelten. In der Gegenwart müssen sich Wort und Ton immer mehr verbünden: Der Gegner, mit dem um die Vorherrschaft gerungen wird, heißt Video. Das Geflimmere auf den Bildschirmen überflutet oft Musik, Sänger und die eigentliche Geschichte, die erzählt werden sollte. Beispiele: Bill Violas und Peter Sellars’ «Tristan» in Paris, William Kentridges Brüsseler «Zauberflöte».
Natürlich kommt es letztlich auf die dramaturgisch begründete Einbeziehung des Filmisch-Optischen in das vorgegebene Opernwerk an.
Insofern möchte man der Inszenierung Guy Cassiers von Wagners «Fliegendem Holländer» an der Brüsseler Oper den Status eines weiteren Versuchs zubilligen, die Video-Ästhetik mit der Ästhetik einer vorliegenden Oper zu verbinden. Von Guy Cassiers kennt man hierzulande von den Ruhrfestspielen eine ausgezeichnete, sehr dichte Inszenierung von Kris Defoorts «Woman Who Walked into Doors». Natürlich ist das noch keine Qualifikation für eine Wagner-Oper. Oder doch? Die Projektionsästhetik bei ...
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Wer Adalbert Stifter liest, mag sich herausfallen lassen aus der Zeit. Epische Texte, ausufernd, zum Verweilen und Zurückblättern einladend, Landschaftsgemälde aus Worten, zwischen Pastell und Öl changierend. In der Erzählung «Bergkristall» etwa, die schildert, wie zwei Kinder sich an Heiligabend in den Bergen verlaufen, heißt es: «Es war wieder nichts um sie als...
Barock gleich Pop, diese Formel ist spätestens seit David Aldens Inszenierungen en vogue. Dass neben der Unterhaltungslust tiefe Gedanken von Schuld und Tod den Barockmenschen beherrschten, wird gern außer Acht gelassen. So auch am Staatstheater Braunschweig, wo Andreas Baesler Monteverdis «Krönung der Poppea» inszeniert hat. Denn wo Barock Pop ist, ist Liebe...
Es war die Idee des Verlegers Giulio Ricordi, zwei vorher nur mäßig erfolgreiche und in ihren künstlerischen Ambitionen grundverschiedene Männer wie Arrigo Boito und Amilcare Ponchielli zu einem Erfolgsteam zusammenzubringen, ja, zu zwingen. Boito hatte mit seiner ehrgeizigen Goethe-Adaption «Mefistofele» (1868) einen der größten Skandale der Operngeschichte...
