Höllensturz

Brüssel, Wagner: Der fliegende Holländer

Opernwelt - Logo

In früheren Opernzeiten diskutierte man über das Verhältnis von Wort und Ton in der Oper «Capriccio» von Richard Strauss, und Clemens Krauss darf in diesem ästhetischen Streit als genialisches Schlusswort gelten. In der Gegenwart müssen sich Wort und Ton immer mehr verbünden: Der Gegner, mit dem um die Vorherrschaft gerungen wird, heißt Video. Das Geflimmere auf den Bildschirmen überflutet oft Musik, Sänger und die eigentliche Geschichte, die erzählt werden sollte. Beispiele: Bill Violas und Peter Sellars’ «Tristan» in Paris, William Kentridges Brüsseler «Zauberflöte».

Natürlich kommt es letztlich auf die dramaturgisch begründete Einbeziehung des Filmisch-Optischen in das vorgegebene Opernwerk an.
Insofern möchte man der Inszenierung Guy Cassiers von Wagners «Fliegendem Holländer» an der Brüsseler Oper den Status eines weiteren Versuchs zubilligen, die Video-Ästhetik mit der Ästhetik einer vorliegenden Oper zu verbinden. Von Guy Cassiers kennt man hierzulande von den Ruhrfestspielen eine ausgezeichnete, sehr dichte Inszenierung von Kris Defoorts «Woman Who Walked into Doors». Natürlich ist das noch keine Qualifikation für eine Wagner-Oper. Oder doch? Die Projek­tionsästhetik bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die gehobenste Form des Feuilletons

In den meisten Abhandlungen wird über Heines Verhältnis zur Musik allenfalls am Rande berichtet. Hängt das mit seiner Biografie zusammen?
Heine als Betrachter der Künste, sei es der Malerei, der Bildhauerei, der Architektur oder der Musik, war anfangs ein relativ unbefangener Kenner der Materie. Doch seit er als Journalist arbeitete – das war schon relativ früh, als...

Pogrom im Fischerdorf

«Peter Grimes», denkt man bei sich, das ist die unumgängliche Realismus-Pusselei der Bootspflege, des Netzeflickens, der morgendlichen Verrichtungen am Meer. Ja, meint man weiter, es muss in Benjamin Brittens Oper nach Salzwasser, nach Fisch riechen. Mag sein, dass es das in Zürich am Rande auch tat. Auf Robert ­Israels zweistöckiger Bühne war allerdings wenig vom...

Farbiges Kaleidoskop

Die Werkgeschichte von Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» nach dem Roman von Grimmelshausen ist nicht ganz unkompliziert: Dem Werk von 1935/36 fügte Hartmann 1939 noch eine ausgedehnte Ouvertüre hinzu. Aber erst 1948 konnte unter dem ursprüng­lichen Titel «Des Simplicius Simplicissimus Jugend» im Bayerischen Rundfunk die konzertante Uraufführung...