Der schwere Weg zum Menschen
Kaum zu glauben, dass Antonin Dvoráks «Rusalka» noch nie auf einer dänischen Bühne zu erleben war. Immerhin wurde das Stück 1901 uraufgeführt, und das Libretto des jungen Jaroslav Kvapil ist unverkennbar durch Hans Christian Andersens Märchen «Die kleine Meerjungfrau» geprägt. In der Reihe der zahllosen musikalischen Adaptionen, die das Sujet von der grenzüberschreitenden Nixe erlebt hat, nimmt Dvoráks Oper zwischen E. T. A. Hoffmann, Lortzing, Kauers «Donauweibchen» und später Henze und Reimann einen zentralen Platz ein.
Wie also wird die dänische Erstaufführung fertig mit diesem kulturhistorisch gesättigten Drama der Isolation?
Richard Jones, dem Patchwork-Regisseur von hohen Graden, gelingt zwei Akte lang eine bezwingende Mischung aus Naivität, Tiefsinnigkeit und Humor. Von der Hinterbühne grüßt eine Tannenreihe, vorne tummeln sich die Nixen in einem zum Schwimmbad verkommenen Bergsee. Natur und Zivilisation, Natürlichkeit und Pervertiertes sind auf Giles Cadles Bühne lässig und grandios vereint. Der Prinz badet zum Vorspiel. Er verliert seinen Schuh, der als Leitrequisit herhält. Jezibabas Hexenhäuschen ist putzig und grausam zugleich. Bevor sich die voluminöse Hexe durch die ...
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Der erste Schock stellt sich ein, wenn der Vorhang hochgeht. Man fühlt sich in ein Filmstudio oder ins Laientheater versetzt: links das Portal einer Kirche – die Handlung spielt 1414 zur Zeit des Konstanzer Konzils –, rechts das schmucke Fachwerkhaus des jüdischen Goldschmieds Eléazar, dazwischen ein Platz, der den Blick auf einen Wehrgang freigibt. Ein...
Schade, dass Stephan Suschke sich erst im zweiten Teil des Abends darauf besann, dass Opernregie mehr bieten sollte als ausgefeilte Dialoge und ein paar bühnenwirksame Auftritte. Heinrich Marschners romantische Oper «Der Vampyr» hatte auf den Tag genau 180 Jahre nach der Leipziger Uraufführung in Würzburg Premiere – in jener Stadt also, wo der junge Richard Wagner...
Die feierliche Einleitungs-Sinfonia und die prachtvolle Schluss-Chaconne sind echte Ohrwürmer. Aber auch darüber hinaus hat Domenico Bellis «Orfeo dolente» (1615) dem Opernfreund einiges zu bieten. Der Florentiner «compositore di camera» scheint dem Mantuaner und Neu-Venezianer Monteverdi nämlich mit seinem «Gegen-Orfeo» den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Bellis...
