Der schwere Weg zum Menschen

Kopenhagen, Dvorák: Rusalka

Opernwelt - Logo

Kaum zu glauben, dass Antonin Dvoráks «Rusalka» noch nie auf einer dänischen Bühne zu erleben war. Immerhin wurde das Stück 1901 uraufgeführt, und das Lib­retto des jungen Jaroslav Kvapil ist unverkennbar durch Hans Christian Andersens Märchen «Die kleine Meerjungfrau» geprägt. In der Reihe der zahllosen musikalischen Adaptionen, die das Sujet von der grenz­überschreitenden Nixe erlebt hat, nimmt Dvoráks Oper zwischen E. T. A. Hoffmann, Lortzing, Kauers «Donauweibchen» und später Henze und Reimann einen zentralen Platz ein.

Wie also wird die dänische Erstauffüh­rung fertig mit diesem kulturhistorisch gesättigten Drama der Isolation?
Richard Jones, dem Patchwork-Regisseur von hohen Graden, gelingt zwei Akte lang eine bezwingende Mischung aus Naivität, Tiefsinnigkeit und Humor. Von der Hinterbühne grüßt eine Tannenreihe, vorne tummeln sich die Nixen in einem zum Schwimmbad verkommenen Bergsee. Natur und Zivilisation, Natürlichkeit und Pervertiertes sind auf Giles Cadles Bühne lässig und grandios vereint. Der Prinz badet zum Vorspiel. Er verliert seinen Schuh, der als Leitrequisit herhält. Jezibabas Hexenhäuschen ist putzig und grausam zugleich. Bevor sich die voluminöse Hexe durch die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Strauss: Intermezzo

Statt der Anekdote die Beinahe-Tragödie. Statt des gemütlichen Ambientes der Garmischer Richard-Strauss-Villa der sich öffnende und schließende, der immerfort kreisende Gasometer, aus dem es für die einsame Ehefrau Christine (alias Pauline) kein Entkommen gibt. Die Zürcher «Intermezzo»-Inszenierung Jens-Daniel Herzogs in der nüchtern-sach­lichen Ausstattung Mathis...

Wir sind uns nicht böse

Am Ende, als die Bravo- und Buhsalven aus dem Zuschauerraum prasselten, gab Essens GMD und Opernchef Stefan Soltesz dem Regisseur nicht nur die Hand, er umarmte ihn auch nicht jovial, sondern er machte ­gehorsamst einen Diener. Ja, es ist ein Coup, dass Hans Neuenfels in Essen in­szeniert, wo er doch schon vor Jahrzehnten Theatergeschichte geschrieben hat in...

Romantik und Realismus

Rossini-Opern, hat man ihre Funktionsweise erst einmal durchschaut, machen glücklich. Die großen dramatischen Konfrontationen laufen wie Schneeballschlachten ab: Die Kontrahenten schleudern sich in wachsender Erregung Koloraturen-Salven ins Gesicht. Lyrische Gefühle klettern hingegen auf langen Koloraturen-Treppen gen Himmel und wieder hinab. Dramatik setzt sich...