Der schwere Weg zum Menschen
Kaum zu glauben, dass Antonin Dvoráks «Rusalka» noch nie auf einer dänischen Bühne zu erleben war. Immerhin wurde das Stück 1901 uraufgeführt, und das Libretto des jungen Jaroslav Kvapil ist unverkennbar durch Hans Christian Andersens Märchen «Die kleine Meerjungfrau» geprägt. In der Reihe der zahllosen musikalischen Adaptionen, die das Sujet von der grenzüberschreitenden Nixe erlebt hat, nimmt Dvoráks Oper zwischen E. T. A. Hoffmann, Lortzing, Kauers «Donauweibchen» und später Henze und Reimann einen zentralen Platz ein.
Wie also wird die dänische Erstaufführung fertig mit diesem kulturhistorisch gesättigten Drama der Isolation?
Richard Jones, dem Patchwork-Regisseur von hohen Graden, gelingt zwei Akte lang eine bezwingende Mischung aus Naivität, Tiefsinnigkeit und Humor. Von der Hinterbühne grüßt eine Tannenreihe, vorne tummeln sich die Nixen in einem zum Schwimmbad verkommenen Bergsee. Natur und Zivilisation, Natürlichkeit und Pervertiertes sind auf Giles Cadles Bühne lässig und grandios vereint. Der Prinz badet zum Vorspiel. Er verliert seinen Schuh, der als Leitrequisit herhält. Jezibabas Hexenhäuschen ist putzig und grausam zugleich. Bevor sich die voluminöse Hexe durch die ...
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Längst nicht alle Quereinsteiger bringen der Oper die erhoffte Blutzufuhr. Von Philipp Stölzl ist sie indes mehr und mehr zu erwarten. Seine dritte Inszenierung – nach dem Meininger «Freischütz» und dem arg frühzeitigen Salzburger «Benvenuto Cellini» – nährt die Neugier aufs Kommende. Bildertheater – einstweilen sein Markenzeichen – ist auch dieser Gounod’sche...
Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häuser Gipffeln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.» Deutlicher als in dieser Arie des Rates...
