Hommage an eine Muse
Wenn es um Bühnenwerke von Jake Heggie geht, ist es müßig, à la «Capriccio» über die Frage nach dem rechten Verhältnis von Musik und Sprache («prima la musica, poi le parole») zu debattieren. Seit der in San Francisco lebende Komponist Noten setzt, hat er vor allem Texte vertont – zunächst schrieb er Songs, dann Opern («Dead Man Walking») und «musical scenes». Die Sprache, das Wort sind für Heggie immer Dreh- und Angelpunkt gewesen. Und zwar in einem Maße, dass man darüber seine kompositorische Fähigkeiten leicht vergisst.
Das gilt auch für seine jüngste Oper «Last Acts». Das Ende Februar an der Grand Opera in Houston uraufgeführte Zwei-Stunden-Opus kreist um eine dysfunktionale Familie, die nur noch aus Mutter (Madeline), Tochter (Beatrice) und Sohn (Charlie) besteht. Heggies Musik macht es seinen Zuhörern sehr einfach: Unmittelbar zieht sie das Publikum in die Geschichte hinein, der Sinn für die Qualität der Partitur gerät dabei aus dem Blick. Weich und sanft fließen die Klänge dahin, in einer Bewegung ohne Ausschläge oder Extreme. Hin und wieder deutet eine versteckte Dissonanz auf das handwerkliche Niveau. Man hätte sich gewünscht, dass Heggie den Stoff mit etwas festerer Hand ...
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