Himmelhöchstes Weltentrücken
Am Ende, als die Buhrufe über Calixto Bieito niedergingen wie ein Platzregen, formte der spanische Regisseur mit den Händen ein Herz in Richtung seiner Kritiker, so als wolle er sagen: Das ist doch die Oper der alle Grenzen überschreitenden Liebe: Wagners «Tristan und Isolde». Direktor Bogdan Roščić hat dem Staatsopernpublikum, das bei Neuinszenierungen generell zum Zürnen neigt, groß angelegte Regie-Exerzitien verordnet: Nun kam es, nach dem Import von Bieitos älterer «Carmen»-Deutung, zum eigentlichen Hausdebüt des Regisseurs.
Dabei ist ihm einiges gelungen – vieles aber geht in Rätseln unter, die intellektuell teils schwer zu knacken sind und zugleich kaum emotional-poetische Kraft entfalten. Doch auch musikalisch geriet der Abend reichlich durchwachsen.
Der Opernchronist kann an den Wiener «Tristan»-Produktionen eine Pendelbewegung ablesen: Nach der seinerzeit durchaus angegriffenen, für heutige Begriffe jedoch geradezu klassischen Arbeit August Everdings (1967), der ungeliebt modernen Deutung Günter Krämers (2003) und dem wieder mit mehr Naturalismus operierenden David McVicar (2013) nun also Calixto Bieito. Auch wenn er mittlerweile in die Jahre gekommen ist und die ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Walter Weidringer
JUBILARE
Mimi Coertse wurde am 12. Juni 1932 im südafrikanischen Durban geboren und entdeckte früh ihre Leidenschaft für das Singen. Nach einem Studium in Südafrika setzte sie ihre sängerische Ausbildung in Den Haag, in Wien (Maria Hittorff) und an der dortigen Opernklasse von Josef Witt fort. Am Schönbrunner Schlosstheater verkörperte sie im Juli 1955 als...
Ist so etwas denkbar? Ein Komponist, der von sich selbst sagt, auf ihn treffe diese Bezeichnung gar nicht zu? Federico Mompou, glamouröser Außenseiter und Schöpfer etlicher irrlichternd-poetischer Klavierstücke, vertrat diese Ansicht, und das mit vollem Ernst: «Ich habe immer dagegen protestiert, wenn man mich einen Komponisten genannt hat – ich bin kein Komponist...
Große Theaterabende, sei es im Schauspiel oder in der Oper, zeichnen sich durch drei Dinge aus. Erstens erscheint die dramatische Handlung als so stark verdichtet, plausibel und (erschütternd) logisch, dass man sich im Zuschauerraum fühlt, als würde man selbst auf der Bühne stehen und erleiden, was den Figuren widerfährt. Zweitens: Man vergisst von Zeit zu Zeit zu...
