Offene Wunden
Plitsch – platsch – plitsch – platsch: Drei Akte lang ging das so. Wenn das Bayreuther Festspielhaus noch ein Tempel wäre, dann hätte Hermann Nitsch ihn im vergangenen Sommer entweiht – allein schon durch die Geräusche, die Farbe macht, wenn man sie eimerweise auf eine Leinwand schüttet, oder eher: wirft. Der Corona-Sommer machte es möglich, zu Wagners konzertant dargebotener «Walküre» veranstaltete Nitsch eine seiner Malaktionen in der ihm eigenen Farbmystik.
In Weiß und Gold, Symbol der Auferstehung, erstrahlte die Todverkündigung, in Rot die Liebe zwischen Siegmund und Sieglinde, Farbe des Lebens, das sich selbst in der Geburt erneuert, aber auch des Todes.
Rot, das war die Lebensfarbe Nitschs schlechthin, die des Blutes, das aus den Tierkadavern floss in seinen Aktionen, die er 50 Jahre lang vor seinem Schlösschen im niederösterreichischen Prinzendorf veranstaltete, die der Tomaten, die dabei mit nackten Füßen zertrampelt wurden, der Eingeweide der Tiere, mit denen nackte Menschen überschüttet wurden. Dass Nitsch deshalb von der Polizei verfolgt wurde, aus der österreichischen Heimat zeitweise nach Deutschland floh, sorgte für den Ruf des Skandalkünstlers, der ihn berühmt und ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Magazin, Seite 100
von Michael Stallknecht
Wer hätte das gedacht? Eine «Medea» mit glücklichem Ausgang! Georg Caspar Schürmann, Sänger, Librettist, Komponist und seit 1707 Hofkapellmeister in Braunschweig, macht es möglich mit seiner 1720/22 erfolgreich am Hamburger Gänsemarkttheater aufgeführten Oper «Jason oder die Eroberung des Goldenen Vlieses». Nicht Medeas tragisches Ende mit dem Kindermord wird hier...
Da liegt das Dur in Es, in Ewigkeit.
Der Rhein, der fließt, darin: 1 Gold, 3 Nixen.
Und – dort! – ein Zwerg, sehr schleimig, voll von Neid.
Die drei, die woll’n ihn nicht, drum muss er tricksen.
«Aus Gold wird Ring!», denkt Alberich, und klaut das Zeug,
um Bruder und die Welt zu knechten.
Derweil ist Wotans Burg Walhall gebaut,
am Tag, im Urlaub und in vielen...
Wie schwer es ist, über einen Komponisten zu schreiben, der selbst so sprachmächtig ist, dass man staunend nicht nur vor dem Werk, sondern auch vor den Worten ihres Schöpfers steht, das hat sich auch im Fall von Wolfgang Rihm wieder schmerzvoll bewahrheitet. Wie man ihm vielleicht näher kommt, ohne ihm zwanghaft nahe sein zu wollen – das wiederum beweist Lotte...
