Offene Wunden
Plitsch – platsch – plitsch – platsch: Drei Akte lang ging das so. Wenn das Bayreuther Festspielhaus noch ein Tempel wäre, dann hätte Hermann Nitsch ihn im vergangenen Sommer entweiht – allein schon durch die Geräusche, die Farbe macht, wenn man sie eimerweise auf eine Leinwand schüttet, oder eher: wirft. Der Corona-Sommer machte es möglich, zu Wagners konzertant dargebotener «Walküre» veranstaltete Nitsch eine seiner Malaktionen in der ihm eigenen Farbmystik.
In Weiß und Gold, Symbol der Auferstehung, erstrahlte die Todverkündigung, in Rot die Liebe zwischen Siegmund und Sieglinde, Farbe des Lebens, das sich selbst in der Geburt erneuert, aber auch des Todes.
Rot, das war die Lebensfarbe Nitschs schlechthin, die des Blutes, das aus den Tierkadavern floss in seinen Aktionen, die er 50 Jahre lang vor seinem Schlösschen im niederösterreichischen Prinzendorf veranstaltete, die der Tomaten, die dabei mit nackten Füßen zertrampelt wurden, der Eingeweide der Tiere, mit denen nackte Menschen überschüttet wurden. Dass Nitsch deshalb von der Polizei verfolgt wurde, aus der österreichischen Heimat zeitweise nach Deutschland floh, sorgte für den Ruf des Skandalkünstlers, der ihn berühmt und ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Magazin, Seite 100
von Michael Stallknecht
Eine Mutter tötet ihre Kinder, kocht deren Herzen aus und setzt sie ihrem Ehemann zum Fraß vor. Das Musiktheater «Gudruns Lied» des isländischen Komponisten Haukur Tómasson basiert auf der altisländischen Version der Nibelungensage aus der Edda-Dichtung. In einer Bühnenfassung der Regisseurin Elisabeth Stöppler erlebte das 1996 uraufgeführte, mit dem renommierten...
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
Tel. 0241/478 42 44 theaterkasse@mail.aachen.de www.theateraachen.de
- Britten, A Midsummer Night’s Dream: 4., 15., 26., 30. - Puccini, Turandot: 5., 15.
- Sondheim, Sweeney Todd: 11., 19., 29.
- Bowie,...
Richard Wagner giftete einst gegen seinen Gönner Giacomo Meyerbeer, dessen Opern-Effekte seien «Wirkung ohne Ursache». So böse Wagners Bonmot ist – begegnet man Verdis «Ernani», drängt es sich nachgerade auf. Meistens wird dieses unreife Dramma lirico nur konzertant gegeben. Im Rahmen seiner Bemühungen um Verdis selten gespielte Werke brachte das Bonner Opernhaus...
