Henze: Boulevard Solitude
«Eine Seele, die sich im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt», schwärmt Alwa in Bergs «Lulu» von der Titelheldin. Gleiches könnte Armand in «Boulevard Solitude» zu Manon einfallen. Keine der anderen Auffaltungen von Abbé Prévosts Roman zum Musiktheater, weder die Massenets noch jene Puccinis, arbeitet diese Perspektive einer Schlafwandlerin der Liebe deutlicher heraus als die Oper des jungen Hans Werner Henze.
Vor allem Grete Weil, die Librettistin, war es gewesen, die bei der Zeichnung von Manons Charakter vom erdgeisthaft Elementaren der Lulu gezehrt hatte.
Interessant im Vergleich auch die Ähnlichkeit der Namen Alwa und Armand sowie die Identifikation der jeweiligen Komponisten mit den Figuren – wenn auch in durchaus unterschiedlichem Kontext: Berg verarbeitete darin seine Liebe zu Hanna Fuchs-Robbetin, Henze das negative Lebensgefühl des Existenzialismus, das ihn sogar den Selbstmord versuchen ließ. Wobei Armand durchaus schärfer umrissen ist als Alwa, der zwar eine Oper über Lulu schreiben möchte, aber keineswegs so deutlich als Erzähler, ja Erfinder der Handlung agiert wie Henzes Held.
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