HALLELUJAH!
Hybris tat noch keinem Herrscher gut. Auch der römische Kaiser Elagabal, der sich selbst für gottähnlich hält und seine Untertanen so lange unterdrückt, quält (und im Falle der stolzen Eritea sogar vergewaltigt), bis der Tyrannenmord, gleichsam als Ultima Ratio, unausweichlich wird, scheitert letztlich an dieser eklatanten Charakterschwäche. Hört man die Musik, mit der Francesco Cavalli 1667 seine Geschichte «einkleidet», dann überrascht doch ein wenig der milde Ton, ja, sogar die Anmut, mit der Cavalli sich des dramatischen Sujets annimmt.
Und selbst in einem Klagegesang wie der Szene «Vanne ò scoglio animato … Servi e soffri» vermag sich Cavalli nicht von seinen ästhetischen Idealen verabschieden. Auch das Leiden, der Schmerz, die Rachegelüste scheinen durch die Klänge selbst besänftigt.
Anna Prohaska bietet der Auftritt die Gelegenheit, ihre bekannten Qualitäten auszuspielen: den weitgespannten, fein phrasierten Atem, ihren in der Höhe irisierenden und leuchtenden Sopran, die singuläre Fähigkeit zur Pointierung sowie die hohe Kunst der Textausdeutung. Jede Nuance ist hier berücksichtigt, rhetorisch untermauert, sauber artikuliert, verklanglicht. Und eingebunden in eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 35
von Jürgen Otten
Erst das Satyrspiel, dann die Tragödie: Zehn Monate vor Massenets «Thaïs», im Mai 1893, brachte Camille Saint-Saëns seine in Windeseile komponierte Opéra comique «Phryné» auf ein Libretto von Lucien Augé de Lassus heraus. Dem tragischen Paar, einem erotisch verquälten Mönch aus der thebaischen Wüste und einer frömmelnden alexandrinischen Kurtisane, die ekstatisch...
Natürlich ist es verrückt, beklemmend und auch bizarr, wenn man jetzt in eine Musiktheateraufführung geht, in der die Welt in Trümmern liegt, die Oper kaputt ist und seltsam seelenlose Wesen die Szenerie beherrschen. Wäre Ole Hübners Oper «opera, opera, opera! revenants and revolutions» wie geplant vor zwei Jahren bei der Münchner Musiktheater-Biennale 2020...
Sollte man nicht glücklich sein, wenn man eine hervorragende Inszenierung gesehen hat? Handelt es sich dabei um eine Inszenierung von Alban Bergs «Wozzeck», so ist die Frage, was «Glück» bedeuten kann, angesichts eines Werks, das schlichtweg perfekt ist, das aber an keiner Stelle (nirgends) so etwas wie «Hoffnung» zulässt.
Regisseur Simon Stone lässt uns auf...
