ÜBERFRACHTET
Vor genau 100 Jahren ereignete sich ein kulturhistorischer Donnerschlag: die Berliner Uraufführung von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm «Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens». Vieles kam da zusammen: der schwarzromantische Vampir-Topos, die Verunsicherung nach dem Ersten Weltkrieg und last, not least eine unerhört suggestive Kino-Phantasmagorie, die bis heute das Unheimliche in stets neuen Varianten aktiviert.
Die Leinwandhistorie lebt von ihnen: von Dreyers unvergleichlichem «Vampyr» (1932) über Polanskis «Tanz der Vampire», Werner Herzogs Remake mit Klaus Kinski bis zu Jim Jarmuschs «Only Lovers Left Alive» mit Tilda Swinton. Wobei die Blutsauger-Story nicht selten auch politisch konnotiert war. So fand eine Rumänin, Polanskis Film sei durchaus auch als Parabel auf das Ceaușescu-Regime verstanden worden. Und Siegfried Kracauer («Von Caligari zu Hitler») sah im deutsch-expressionistischen Horror-Genre schon das NS-Wetterleuchten.
Dass der Vampirterror auch aktuell um sich greift, lehrt nicht zuletzt Putins Ukraine-Krieg. Insofern kam die Hannoveraner Premiere von Heinrich Marschners Oper «Der Vampyr» zur rechten Zeit, zumal als Hommage an den lokal-heiligen Hofkapellmeister ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhard R. Koch
Nur einmal in der Geschichte der Met, 1979 war das, wurde Verdis «Don Carlos» bislang mit dem dramaturgisch so ungemein wertvollen Fontainebleau-Akt gegeben. Insofern war es eine gute Entscheidung des Hauses, als Grundlage für die aktuelle Produktion auf die fünfaktige französischsprachige Erstfassung zurückzugreifen – allerdings (und dies nicht eben zum Vorteil...
Der Text war brisant. Und kursierte deswegen anfangs in der Deutschen Demokratischen Republik nur «unter der Hand». Letztlich aber konnte (und wollte) auch sein Autor nicht verhindern, dass er in die breite Öffentlichkeit drang und dort, was Wunder, heiß diskutiert wurde. Nichts Geringeres nämlich hatte der umstrittene Dramatiker Peter Hacks versucht, als – in...
Selbsterkenntnis kann einem auch am Schalter in der Frankfurter Bahnhofshalle drohen. Wenn zum Beispiel die Dame den Ticketkäufer freundlich darauf hinweist, ab 60 sei die Bahncard doch billiger. Allein, Christian Gerhaher, am Morgen nach einem «Don Giovanni» unterwegs, war da gerade mal 44. Sicher unausgeschlafen, ein wenig zerzaust, vielleicht sogar mürrisch. Die...
