GANZ SCHÖN FLOTT
Natürlich gibt es die silberne Rose. Und Octavian hat sie sogar dabei, auch wenn einen Aufzug zuvor der skeptische Ochs fast hineingebissen hätte. Nun also: Tusch, danach das berühmte gläserne Zerfließen der Musik – und es hebt an das linkische Spiel zwischen dem Titelhelden und der kulleräugigen Sophie, bis es in beiden emporgiggelt und sie in frivoles Gelächter ausbrechen: hinfort mit dem altbackenen Ritual! Schon bei Strauss/Hofmannsthal ist das ja reiner Fantasie-Rokoko. Am Staatstheater Nürnberg wird es endgültig zum verstaubten Brauch.
Überhaupt hat sich Regisseur Marco Štorman Einiges vorgenommen bei seinem zweiten «Rosenkavalier» (den ersten inszenierte er 2013 in Klagenfurt). Eine Vernüchterung und Verheutigung. Eine Befreiung von allem Baiser, mit dem das Stück gern überzogen wird – wobei sich Štorman da auf Barrikaden wähnt, die längst nicht mehr stehen. Dennoch liegt er in etwa richtig: Für die emotionalen Kraftfelder braucht es weder Reifrock noch Allongeperücke. Die Figuren begegnen sich hier in kühler schwarz-weiß Optik, zwischen Klapplamellen und vor einer Neonröhrenwand. Jede Menge Aktionsmöglichkeiten bietet diese Bühne (Frauke Löffel, Anna Rudolph), die immer ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Markus Thiel
Vor genau 100 Jahren ereignete sich ein kulturhistorischer Donnerschlag: die Berliner Uraufführung von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm «Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens». Vieles kam da zusammen: der schwarzromantische Vampir-Topos, die Verunsicherung nach dem Ersten Weltkrieg und last, not least eine unerhört suggestive Kino-Phantasmagorie, die bis heute...
Anlässlich des 50. Jahrestages des Kennedy Center hatte Francesco Zambella, Intendant der Washington National Opera, vier kurze Werke in Auftrag gegeben, die sich mit der Geschichte und Identität des Kennedy Center befassen sollten. Im Mittelpunkt stand dabei der Begriff des «Monuments» und damit die kontrovers diskutierte Frage, wie ein Gedenken an den Konflikt...
Nur einmal in der Geschichte der Met, 1979 war das, wurde Verdis «Don Carlos» bislang mit dem dramaturgisch so ungemein wertvollen Fontainebleau-Akt gegeben. Insofern war es eine gute Entscheidung des Hauses, als Grundlage für die aktuelle Produktion auf die fünfaktige französischsprachige Erstfassung zurückzugreifen – allerdings (und dies nicht eben zum Vorteil...
