GANZ SCHÖN FLOTT

Strauss: Der Rosenkavalier NÜRNBERG | STAATSTHEATER

Opernwelt - Logo

Natürlich gibt es die silberne Rose. Und Octavian hat sie sogar dabei, auch wenn einen Aufzug zuvor der skeptische Ochs fast hineingebissen hätte. Nun also: Tusch, danach das berühmte gläserne Zerfließen der Musik – und es hebt an das linkische Spiel zwischen dem Titelhelden und der kulleräugigen Sophie, bis es in beiden emporgiggelt und sie in frivoles Gelächter ausbrechen: hinfort mit dem altbackenen Ritual! Schon bei Strauss/Hofmannsthal ist das ja reiner Fantasie-Rokoko. Am Staatstheater Nürnberg wird es endgültig zum verstaubten Brauch.

Überhaupt hat sich Regisseur Marco Štorman Einiges vorgenommen bei seinem zweiten «Rosenkavalier» (den ersten inszenierte er 2013 in Klagenfurt). Eine Vernüchterung und Verheutigung. Eine Befreiung von allem Baiser, mit dem das Stück gern überzogen wird – wobei sich Štorman da auf Barrikaden wähnt, die längst nicht mehr stehen. Dennoch liegt er in etwa richtig: Für die emotionalen Kraftfelder braucht es weder Reifrock noch Allongeperücke. Die Figuren begegnen sich hier in kühler schwarz-weiß Optik, zwischen Klapplamellen und vor einer Neonröhrenwand. Jede Menge Aktionsmöglichkeiten bietet diese Bühne (Frauke Löffel, Anna Rudolph), die immer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
EIN FRIVOLES PAAR

Erst das Satyrspiel, dann die Tragödie: Zehn Monate vor Massenets «Thaïs», im Mai 1893, brachte Camille Saint-Saëns seine in Windeseile komponierte Opéra comique «Phryné» auf ein Libretto von Lucien Augé de Lassus heraus. Dem tragischen Paar, einem erotisch verquälten Mönch aus der thebaischen Wüste und einer frömmelnden alexandrinischen Kurtisane, die ekstatisch...

Freiheit lieben

Fantastische Pianisten und glühende Patrioten waren sie beide. Damit aber enden im Wesentlichen die Gemeinsamkeiten zwischen zwei der schillerndsten polnischen Musiker-Persönlichkeiten des 19. (respektive 20.) Jahrhunderts. Während Fré-déric Chopin jenem Instrument treu blieb, mit dem er auch noch flammendste humanistische Botschaften in die Welt zu senden...

Editorial 5/22

Am 11. März 2022 hatte Ernst Kreneks Oper «Jonny spielt auf» ihre Premiere am Münchner Gärtnerplatztheater. Intendant Köpplinger betrat die Bühne, verkündete Spenden und Solidarität mit der Ukraine. Starker, warmer Applaus. Dann begann die Vorstellung. Bevor Jonny so richtig loslegen darf, malen zwei Maskenbildnerinnen-Darstellerinnen ihn auf der Bühne in der Mitte...