Grenzerfahrung
Die Verehrung einer alternden Frau für einen deutlich jüngeren Liebhaber wird noch heute, zumal vom männlichen Geschlecht, nicht selten süffisant belächelt. Zu Zeiten von Englands erster Langzeitkönigin – Elisabeth I. war zugleich letzter dynastischer Spross der Tudors – muss die Neigung mindestens boshafte Blicke ausgelöst haben. Fraglos kam da auch gemeines Getuschel als Gossip hinzu sowie die für eine Monarchie überaus relevante Frage, wie denn bei derartiger Neigung der Fortbestand des Königreichs gesichert werden könne.
Im Falle jener «Virgin Queen», die als Elisabeth I. anno 1603 knapp 70-jährig kinderlos starb und dennoch einem ganzen Zeitalter der Kunst, Musik und Literatur ihren Namen lieh, war die Familiengründung freilich schon seit einer halben Ewigkeit ad acta gelegt. Doch wie wird sie sich in ihrem Hofstaat die Autorität gesichert haben? Wie reagierte sie auf subtile Anfeindungen? Wie schützte sie sich vor den Verwundungen ihrer Seele durch buckelnde Hofschranzen, durch allein ihren eigenen Vorteil suchende Generäle?
Mariame Clément und ihre Ausstatterin Julia Hansen brauchen für ihre klug-subtile Zeichnung der am Ende tragisch scheiternden Königin in Genf keine ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Peter Krause
Drei Novitäten pro Saison herauszubringen, war das Minimum, als Alexander Zemlinsky Musikdirektor des «Neuen Deutschen Theaters» (der heutigen Staatsoper) in Prag war. Novität meint: ein Stück, das noch nie zuvor am Haus gespielt worden war. Meistens war das ein Werk, das druckfrisch aus dem Verlag kam. Gerade einmal vier Monate nach der Uraufführung brachte...
Opernkennern ist der biblische Kriegerheld Simson unter dem vertrauteren Namen Samson bestens bekannt. Camille Saint-Saëns’ «Samson et Dalila» konnte sich als einzige der elf Opern des Komponisten im Repertoire behaupten. Der Erfolg stellte sich allerdings nicht sofort ein. Nach vergeblichen Versuchen, die Oper in Frankreich auf die Bühne zu bringen, fand die...
Die Geschichte spielt in vorchristlicher Zeit, und sie ist so abenteuerlich, so absurd, dass man heftig das Haupt schütteln müsste, wüsste man nicht um den Erfindungsreichtum jenes Mannes, der sie niederschrieb: Pietro Metastasio bewies auch mit «Alessandro nell’Indie» auf Racines Tragédie «Alexandre le Grand» aus dem Jahr 1665 (die wiederum ihre frühen Quellen bei...
