Requiem für ein Genie
Frauen galten historisch nicht sehr oft als genial (was ja ohnehin ein anderes Wort für hochbegabt und sonderbar ist), aber auch als hochbegabt und sonderbar galten Frauen selten. Lieber nannte man sie überspannt und anstrengend, zum Beispiel. In Opernlibretti sind Frauen fast ausnahmslos Liebende und Leidende; die Leidenschaften gehen mit ihnen durch. Wenn sie berechnend sind, sind sie es aus Verruchtheit, nicht weil sie sich für Mathematik interessieren. Im Grunde fällt das aber erst auf, wenn einem einmal eine Intellektuelle auf der Musiktheaterbühne begegnet.
Die französische Mathematikerin und Philosophin Émilie du Châtelet (1706–1749) bekam durch ihren liberalen Vater den Zugang zu höherer Bildung, sie lernte alte und neue Sprachen, Spinett und Tanzen, genoss jedoch auch Unterricht in Naturwissenschaften und Philosophie. Das traf auf fruchtbaren Boden. Die 18-Jährige heiratete gleichwohl gehorsam und standesgemäß – was von Vernunft zeugte, war sie fortan doch gesellschaftlich und wirtschaftlich abgesichert. Auf dem Anwesen ihres Mannes im beschaulichen Semur-en-Auxois gebar sie drei Kinder und verlegte ihren Wohnsitz dann ohne ihn zurück nach Paris. Sie hatte kleinere und ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Judith von Sternburg
Opern, in denen eine Autohupe und eine Sirene als Instrumente zum Einsatz kommen, haben höchsten Seltenheitswert. Kirchenglocken als Übernahme eines akustischen Alltagsphänomens in die Sphäre der Kunstmusik waren zur Uraufführung von «Il trittico» anno 1918 an der New Yorker Metropolitan Opera allerdings schon etabliert: In Mascagnis «Cavalleria rusticana» sind sie...
Nicht nur stoische Menschen wissen es: Wer sich in Geduld fasst, erträgt die Zumutungen des Lebens umso leichter. Regisseur Dirk Schmeding lässt die Figuren in Puccinis «Il trittico» daher allesamt geduldig warten. Dazu setzt er sie zu Beginn in einen Glaskasten, ein schmuckloser Warteraum mit Wasserspender. Im ersten Teil darf darin sogar geraucht werden, im...
Selbst für Aficionados beginnt Donizettis Karriere spät: mit «Anna Bolena», die er als 33-Jähriger Ende 1830 in Mailand herausgebracht hatte. Von den etwa 30 Opern vor 1830 ist heute nur eine einzige präsent: «Viva la mamma». Dabei hat die Forschung immer wieder auf die Bedeutung einer Partitur hingewiesen, die am Neujahrstag 1828 in Neapel Premiere hatte: «L’esule...
