Grenzenlos begabt
Die Geschichte klingt kitschig, ist aber, wie der Sänger glaubhaft versichert, wahr und geht so: Zu seinem sechsten Geburtstag bekam Denys Pivnitskyi das legendäre Drei-Tenöre-Album mit Pavarotti, Domingo und Carreras geschenkt, hörte es ungezählte Male, trällerte bald die Hits mit – und hatte fortan nur noch einen Wunsch: Opernsänger zu werden. «Nicht wir wählen unseren Beruf aus – er wählt uns», sagt er heute dazu. In seinem Charkiwer Elternhaus rief der Wunsch jedoch zunächst Erstaunen hervor. Das Kind wurde in die Musikschule geschickt, um Gitarre zu lernen.
Bald wechselte es zur Violine, und dabei sollte es dann sieben Jahre bleiben. Irgendwann aber verkündete der Halbwüchsige stolz, er könne die Spitzentöne länger halten als die Stars auf der CD. Seine Mutter glaubte an ihn. Er lernte dann bei Marina Safonova, der Gesangsdozentin der Musikschule, und das war ein Glück für ihn. Statt ihn auf ein Gesangsstudium vorzubereiten, erklärte Safonova ihm, dass die Welt «keine weiteren dummen Sänger» brauche; er solle sich deswegen erstmal zum Chordirigenten ausbilden lassen. Nach intensiver Vorbereitung reichte es für die Aufnahme an der Moskauer Gnessin-Musikakademie.
Zwei weitere ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Knies
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Die nordamerikanische Metropole am südlichen Zipfel des Lake Michigan empfängt uns mit einem schwindelerregenden Temperatursturz: Eben noch zeigte die Wetter-App über 20 Grad an, doch innerhalb weniger Stunden fällt das Thermometer auf den Nullpunkt. Im «Blue Line»-Zug vom Flughafen nach Downtown scheint niemand überrascht, die «windy city» ist vertraut mit...
