Das Wesen des Glücks

Markus Bothe und Jörg Halubek zeigen bei den Festspielen in Schwetzingen einen präzisen wie poetischen «Orfeo» von Monteverdi

Opernwelt - Logo

Musik bewegt sich immer in der Zeit – selbst im Falle rigoroser Verweigerung muss sie irgendwann weiter, und wenn es in einem Jahr ist. Ein Gemälde ist offensichtlich das Gegenteil davon; alles, was darauf zu sehen ist, wurde hineingezwungen in einen ewigen Stillstand. Umso schneller, das hat eine ironische Seite, kann der Mensch, der es sich anschaut, weitereilen. Tests zufolge verharren Museums -besucherinnen und -besucher vor Bildern nicht selten bloß zehn Sekunden und zeigen sich im Anschluss dennoch ganz begeistert. So zügig ist eine Oper nicht zu haben.

Mit Stillstand und Bewegung und dem Verhältnis zwischen den Kunstgattungen spielt nun auch Markus Bothe in seiner so attraktiven wie durchdachten Inszenierung von Monteverdis «L’Orfeo». Es ist die Musik selbst, die den Abend lächelnd mit einem Fingerschnipsen startet. Seht her, was ich zu bieten habe, sagt ihr Lächeln. Und zu Recht. Denn jetzt setzen Jörg Halubek und sein Ensemble Il Gusto Barocco mit Finesse ein. Und damit auch einen «Alten Meister» in einem Museumssaal in Bewegung. Für einen der begabtesten Vertreter der Musik auf Erden, den Sänger Orfeo, kommt Leben in die reizende Schäferszene. Vor allem die Hübscheste ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Judith von Sternburg

Weitere Beiträge
Drinnen ist Himmel, draußen ist Lust

Die Tonart ist, selbst für Schubert, ungewöhnlich: Fis-Moll, das klingt nach Abseitigkeit, Abgrundtiefe, vielleicht sogar nach einem endgültigen Abschied. Und so ist es auch. Die «Totengräberweise» auf Verse des Freiherrn Franz Xaver von Schlechta führt uns direkt auf den Friedhof. «Ziemlich langsam» und ziemlich leise (piano) wünscht sich der Komponist dieses Lied...

Ihr Sehnen, sein Wähnen

Les frères Jacques» der französischen Gelehrtenrepublik, Jacques Derrida (für die Philosophie) und Jacques Lacan (für die Psychoanalyse), betraten mit ihren geflügelten Sentenzen über das Phänomen des Weiblichen diffiziles Terrain. Derrida dekretierte leichthin und mit ironischem Unterton, die Frau gewähre die Idee, sei also so etwas wie ein personifiziertes...

Teatro comico

Omer Meir Wellber macht diese Premiere zur Chefsache. Damit setzt Hamburgs Generalmusikdirektor ein Zeichen, stellt «Il barbiere di Siviglia» neben die Wagner-Opern «Lohengrin» und «Tristan und Isolde», Schumanns «Paradies und die Peri», Strauss’«Salome» und Mozarts «Così». Er scheint mit der bunten Repertoirewahl seiner ersten Saison weniger seine vielseitige...