Und das Schöne lebt nur im Gesang
Wo anfangen, wo enden? Diese Frage wird sich vermutlich auch der Autor dieses bestechend kaleidoskopischen Ideen-Panoramas gestellt haben. Die Antwort darauf aber muss weder Norbert Abels noch sonst jemand finden. Der «Stoff, aus dem die Opern sind» gibt sie selbst: die Fülle der Gedanken(spiele) und Assoziationen, die nie je von Blässe angekränkelt sind, sondern durchflutet von einem enormen Wissen, von der Kenntnis nicht nur einer «Materie», und vor allem von der stupenden Lust auf Mitteilung, die sich schon im Titel andeutet.
«Tonfabeln», heißt der dritte Teil einer Trilogie, die der Dramaturg, Dozent, Publizist, Musiker und Homme de lettres vor gut 15 Jahren mit dem «Ohrentheater» begonnen hatte; ihre Fortsetzung fand sie mit dem Essay-Band «Notenlese», nun folgt der krönende Abschluss, wiederum in drei Teilen: Der erste Abschnitt «Cantus facio, ergo sum» beschreibt mit gleichsam cartesianischer Strenge Wesen und Wirkung von Musik und Ästhetik und denkt über die synkretistische Kunstform Oper nach. Im Mittelblock («Over the rainbow») wirft der gewiefte und (musik-) geschichtsphilosophisch überaus bewanderte Dramaturg noch einmal einen tiefsinnigen Blick auf die beiden Genies ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Medien, Seite 49
von Jürgen Otten
Wie alle barocken Seria-Opern ist auch Händels «Sosarme» ein Sängerfest, in dem sich die Da-Capo-Arien der Solisten wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. Dennoch macht der selten aufgeführte, auch auf Tonträgern vernachlässigte «Sosarme» eine Ausnahme, weil es keine der 21 Solonummern ist, die sich besonders einprägt, sondern das Duett «Per le porte del...
So sieht er also aus, der gekränkte Mann, frisch, nach vollbrachter Tat: das Hemd blutverschmiert, die Haare wirr, den Mund voller Entschuldigungen. «Du hast dich lustig gemacht über mich!», «Du hast meine Karriere verdorben!», «Du bist ein Dämon!» Wir hören Don José, dargestellt vom Klaus-Kinski-haft berserkernden Schauspieler Lasse Myhr, und denken an die...
Die Spezialdisziplin des Regisseurs Volker Lösch besteht darin, Opernstoffe für politische Aussagen umzufunktionieren. Nach Beethovens «Fidelio» und der Kurdenproblematik sowie Weills «Mahagonny» mit der Flutkatastrophe im Ahrtal ging es beim «Freischütz», seiner dritten Bonner Operninszenierung, um den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg einer rechtsextremen Partei....
