«Gott hat mich immer gerne, doch ist er schrecklich weit»
Oper und Wahnsinn – das sind von alters her keine allzu weit voneinander entfernten Positionen. Nur dass sich die im Belcanto formgebundene Wahnsinnsarie in der Moderne zum existenziellen musikalischen Außer-sich-Sein entwickelt hat. Aber auch das kann (und erst dadurch wird es zur Kunst) mit klaren Kriterien und hohem ästhetischem Reiz verbunden sein, wie Lübeck jetzt mit der Deutschen Erstaufführung der Oper «Der göttliche Tivoli» von Per Nørgård bewies.
Der 1932 geborene Komponist, den Ulrich Schreiber in seinem gerade vollendeten «Opernführer für Fortgeschrittene» als den seit Carl Nielsen bedeutendsten dänischen Komponisten des 20. Jahrhunderts bezeichnet, behandelt in seinem 1983 in Aarhus uraufgeführten und seitdem unter anderem in St. Gallen (unter dem Titel «Die göttliche Kirmes», OW 1/96) und in Edinburgh nachgespielten Werk das Schicksal des Schweizers Knechts Adolf Wölfli (1864-1930) aus dem Emmental, der – nachdem seine pädophilen Neigungen bekannt geworden waren – die letzten fünfunddreißig Jahre seines Lebens in einer geschlossenen Anstalt verbringen musste und dort seine schizophren-psychotische Disposition in qualitativ verblüffend hochrangige Bilder und ...
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Der Boom historischer Opernaufnahmen hat in den letzten Jahren zu einer Inflation auf dem Billigpreissektor geführt. Bedenkenlos und unbesehen (bzw. ungehört) wurde alles auf CD gepresst, was älter als fünfzig Jahre und mithin nicht mehr lizenzpflichtig war. Dabei kamen durchaus einige Fundstücke ans Licht, aber daneben auch viel Ramsch, oft aus dubiosen Quellen...
In den fünfziger Jahren war sie eines der am häufigsten gespielten Werke der Moderne, Paul Hindemiths Künstleroper «Mathis der Maler». Von den Nazis wurde sie verboten. Wohl wegen der Szene, in der Vertreter der katholischen Kirche protestantische Bücher verbrennen lassen. Die Parallelen zu den realen Geschehnissen waren zu offensichtlich. 1934 sollte die Oper von...
Die Romantik lässt uns nicht los. Aufklärung und Vernunft werden zu niedrigeren Kursen notiert. Die kommenden Salzburger Festspiele wollen deshalb vor allem die Nachtseiten der Vernunft erforschen. Das Liedschaffen der Komponisten jener Zeit bildet gleichsam den Brennpunkt der Romantik: Schuberts «Winterreise» als zentrales Werk romantischer Empfindungen, Leiden,...
