Gott bewahre!

Vollmer: The Circle
Weimar | Nationaltheater

Opernwelt - Logo

Vor ein paar Jahren dachten wir noch, es sei eine fiktive Dystopie, die Dave Eggers in seinem Roman «The Circle» von 2013 ausmalte. Der Circle, ein gigantischer Internet-Konzern, bündelt alle Nutzerdaten. Die User unterwerfen sich dessen Heilsversprechen bis zur völligen Auflösung des Persönlichen: Geheimnisse sind Lügen, Teilen ist Heilen, alles Private ist Diebstahl! Nach dem Cambridge Analytica-Skandal, dem Zusammenschluss von Facebook, Instagram und Whatsapp, dem Social Scoring System in China wissen wir: Die Dystopie ist bereits Realität geworden.

Höchst selten schafft es ein aktueller Stoff so schnell auf die Opernbühne wie nun am Nationaltheater Weimar, wo Ludger Vollmers Opernfassung des Romans – das Libretto lieferte Tiina Hartmann – als Auftragsarbeit des Hauses sechs Jahre nach Erscheinen des Bestsellers uraufgeführt wurde. Die Bühne sieht aus, wie man es sich in so einem Konzern vorstellt: ein cleanes Bild in Apple-Ästhetik. Weiße Schreibtische, Bildschirme mit abgerundeten Ecken, leuchtende Displays. Die Mitarbeitenden tragen legere Start-up-Klamotten in fröhlich-harmlosen Pastellfarben, die Füße stecken in Turnschuhen oder Gesundheitslatschen. Man fühlt sich wohl hier ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Nora Sophie Kienast

Vergriffen
Weitere Beiträge
Liebhaber aus Washington

Während Jean-Philippe Rameaus Opern inzwischen auch außerhalb Frankreichs einen Platz im Repertoire gefunden haben, tut man sich mit seinen opéra-ballets immer noch schwer. Diese Mischgattung aus Gesang und Tanz, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre Blütezeit erlebte, ist ohne den höfischen Rahmen, für den sie geschaffen wurde, nicht leicht...

Im Schlachthaus

Verstörendes Vexierbild. Grausam und doch zauberhaft, anmutig. Während die Solo-Klarinette ihre unruhig-flackernde Klage ins Dunkel schickt, stürzen in einem großformatigen Video zwei leichtbekleidete Frauen wie in einer Traumsequenz in ein Bassin, Hand in Hand, und wie sich bald herausstellt, im Todeskampf unentrinnbar miteinander verbandelt. Letzte Blasen...

Schwankende Schwermut, reines Vergnügen

«Reason in madness» nennt die Sopranistin Carolyn Sampson ihr neues Liedalbum. Das nimmt Bezug auf einen Aphorismus von Friedrich Nietzsche: «Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn.» Ausgehend von Shakespeares Ophelia greift Sampson hier musikalische Psychogramme des weiblichen Wahnsinns auf. Vertonungen oder...