Gott bewahre!
Vor ein paar Jahren dachten wir noch, es sei eine fiktive Dystopie, die Dave Eggers in seinem Roman «The Circle» von 2013 ausmalte. Der Circle, ein gigantischer Internet-Konzern, bündelt alle Nutzerdaten. Die User unterwerfen sich dessen Heilsversprechen bis zur völligen Auflösung des Persönlichen: Geheimnisse sind Lügen, Teilen ist Heilen, alles Private ist Diebstahl! Nach dem Cambridge Analytica-Skandal, dem Zusammenschluss von Facebook, Instagram und Whatsapp, dem Social Scoring System in China wissen wir: Die Dystopie ist bereits Realität geworden.
Höchst selten schafft es ein aktueller Stoff so schnell auf die Opernbühne wie nun am Nationaltheater Weimar, wo Ludger Vollmers Opernfassung des Romans – das Libretto lieferte Tiina Hartmann – als Auftragsarbeit des Hauses sechs Jahre nach Erscheinen des Bestsellers uraufgeführt wurde. Die Bühne sieht aus, wie man es sich in so einem Konzern vorstellt: ein cleanes Bild in Apple-Ästhetik. Weiße Schreibtische, Bildschirme mit abgerundeten Ecken, leuchtende Displays. Die Mitarbeitenden tragen legere Start-up-Klamotten in fröhlich-harmlosen Pastellfarben, die Füße stecken in Turnschuhen oder Gesundheitslatschen. Man fühlt sich wohl hier ...
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Den Anfang machte Cecilia Bartoli. Als sie 2003 ihr Salieri-Album herausbrachte, ging mit der Bewunderung für die vokale Virtuosität der italienischen Mezzosopranistin ein generelles Umdenken in der Causa Antonio Salieri einher. Mehr und mehr verblasste der (durch Miloš Formans Film «Amadeus» ins öffentliche Denken implantierte) Mythos einer eifersüchtigen...
Wie muss eine Opernproduktion aussehen, die auf fünf Kontinenten gezeigt werden soll, in Los Angeles und Peking, in Sydney und Kairo, Kasachstan und Genua? Ihre Premiere erlebte die demnächst weltweit herumgereichte «Lakmé» jetzt im Oman, wo sie für das 2011 eröffnete Opernhaus einen wichtigen Schritt darstellt, nicht nur was die internationalen Beziehungen...
«Reason in madness» nennt die Sopranistin Carolyn Sampson ihr neues Liedalbum. Das nimmt Bezug auf einen Aphorismus von Friedrich Nietzsche: «Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn.» Ausgehend von Shakespeares Ophelia greift Sampson hier musikalische Psychogramme des weiblichen Wahnsinns auf. Vertonungen oder...
