Schwankende Schwermut, reines Vergnügen

Neue Recitals mit Carolyn Sampson, Véronique Gens und Marie Perbost

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«Reason in madness» nennt die Sopranistin Carolyn Sampson ihr neues Liedalbum. Das nimmt Bezug auf einen Aphorismus von Friedrich Nietzsche: «Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn.» Ausgehend von Shakespeares Ophelia greift Sampson hier musikalische Psychogramme des weiblichen Wahnsinns auf.

Vertonungen oder Paraphrasen des Shakespeare’schen Originals – darunter Richard Strauss’ drei Ophelia-Lieder neben weniger bekannten Versionen von Johannes Brahms, Camille Saint-Saëns oder Ernest Chausson – werden eingerahmt von Claude Debussys und Charles
Koechlins erotischen «Chansons de Bilitis» und den musikalischen Spiegelungen von Goethes geheimnisvoll-androgyner Kindfrau Mignon bei Henri Duparc und Hugo Wolf. Es sind viele Klangbilder, die Sampson uns hören, viele Seelenspiegel, in die sie uns blicken lässt – mit gezügelt-zerbrechlicher Laszivität bei Debussy, fiebriger Erregtheit bei Wolf, herb-depressiver Melancholie bei Chausson und Duparc, dramatischem Puls bei Saint-Saëns oder in Schuberts «Gretchen am Spinnrade». Stets hat sie ihre Stimme, die weder in der Höhe noch im Forte ausbricht, ganz im Griff, singt mit schlankem, ...

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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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