Geschreddert
Platée, die von einem Tenor dargestellte Titelfigur in der gleichnamigen Oper Jean-Philippe Rameaus, ist eines der bedauernswertesten Geschöpfe der Opernwelt. Obwohl als hässliche Sumpfnymphe geboren, hält sie sich für das attraktivste Mädchen auf Erden. Doch dieses Missverhältnis sichert ihr nicht nur die Aufmerksamkeit Jupiters, der mit der offenkundigen Mesalliance mal wieder seine Juno ärgern will, sondern auch immer wieder das Interesse neugieriger Opernmacher.
Nun ist sie aus Frankreichs Sümpfen sogar bis in die Drei-Flüsse-Stadt Passau geschwommen, wo sie aber, tollpatschig wie sie nun mal ist, irgendwie den falschen Abfluss erwischt haben muss. Also entsteigt sie dortselbst einer riesenhaften Toilette, die, wie man aus dem Prolog erfahren hat, Jupiter und die Seinen für ihre sexwütigen Partys nutzen. Eine riesige Kakerlake saust um das Klo, ebenso wie der Hirt Cithéron, der als «Meister Proper» dem Übel mit einer übergroßen Klobürste zu Leibe rückt. Gummipuppen fliegen von allen Seiten herein, und zu Jupiters Schönheitswettbewerb tritt auch eine offenbar ziemlich stinkige «Miss Merde» an, während ein vierköpfiges Tänzerensemble immer wieder in rasender Hektik durchs Bild ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Stallknecht
Zart schwebt die Musik durch den Raum: «One charming night», eine der berühmtesten Arien aus «The Fairy Queen». Doch plötzlich stampft das Orchester in wilden Rockrhythmen los. Aber es zerstört Purcells Poesie nicht ganz, holt sie nur auf die Erde zurück, füllt die Körperlosigkeit mit Fleisch. Solche Wechselwirkungen gibt es oft in Helmut Oehrings 2013 in Berlin...
Die Dame trägt Rot. Lang an ihrem schmal-schlanken Körper herabfließendes, samtenes Rot. Steht ihr gut, wo sie doch jetzt die (attraktive) Gattin eines (einfluss-)reichen Mannes ist, nicht mehr nur Bild für die anderen. Also spielt Lulu, die seit Menschengedenken diesen Namen nicht mehr trägt, die ihr zugedachte Rolle, spielt sie mit versuchter Würde. So ganz...
Nahezu seit einem Jahrhundert wird im Oldenburgischen Staatstheater Oper gespielt, aber noch nie hat das Publikum dort einen kompletten Ring erlebt. Vor gut 40 Jahren wäre es schon einmal fast dazu gekommen, aber das Unternehmen wurde 1973 kurz vor Vollendung abgebrochen, nachdem die als Brünnhilde engagierte Sopranistin Isabel Strauss zusammen mit dem Oldenburger...
