Geschreddert
Platée, die von einem Tenor dargestellte Titelfigur in der gleichnamigen Oper Jean-Philippe Rameaus, ist eines der bedauernswertesten Geschöpfe der Opernwelt. Obwohl als hässliche Sumpfnymphe geboren, hält sie sich für das attraktivste Mädchen auf Erden. Doch dieses Missverhältnis sichert ihr nicht nur die Aufmerksamkeit Jupiters, der mit der offenkundigen Mesalliance mal wieder seine Juno ärgern will, sondern auch immer wieder das Interesse neugieriger Opernmacher.
Nun ist sie aus Frankreichs Sümpfen sogar bis in die Drei-Flüsse-Stadt Passau geschwommen, wo sie aber, tollpatschig wie sie nun mal ist, irgendwie den falschen Abfluss erwischt haben muss. Also entsteigt sie dortselbst einer riesenhaften Toilette, die, wie man aus dem Prolog erfahren hat, Jupiter und die Seinen für ihre sexwütigen Partys nutzen. Eine riesige Kakerlake saust um das Klo, ebenso wie der Hirt Cithéron, der als «Meister Proper» dem Übel mit einer übergroßen Klobürste zu Leibe rückt. Gummipuppen fliegen von allen Seiten herein, und zu Jupiters Schönheitswettbewerb tritt auch eine offenbar ziemlich stinkige «Miss Merde» an, während ein vierköpfiges Tänzerensemble immer wieder in rasender Hektik durchs Bild ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Stallknecht
Manchmal sieht man es erst auf den dritten Blick. Wenn Vaters schmuckes Jackett speckige Flecken bekommt, wenn Mutter nur noch Billigstfleisch beim Discounter kauft – oder wenn das Kind nicht mit auf Klassenfahrt kann: Es strauchelt sich schnell in exakt jenem sozialen System, in dem der wahre Status getarnt sein will. Existenznot beginnt mit kleinen,...
«O douce étoile», seufzt Wolfram, während über der Schneelandschaft Sterne flirren. Und die Hauptfigur heißt nicht Heinrich, sondern Henri. «Tannhäuser» auf Französisch? Wagner hatte seine Oper ja selbst für die Pariser Opéra vorbereitet, in einer Übersetzung von Charles Nuitter. Diese Fassung von 1861 gibt es jetzt an der Côte d’Azur zu hören. Im prunkvollen...
Seit vielen Jahren gilt Lawrence Brownlee als herausragender Spezialist für die italienische Oper des frühen 19. Jahrhunderts, für jene Werke, die oft allzu pauschal als «Belcanto-Repertoire» bezeichnet werden. Nach einem reinen Rossini-Album (siehe OW 3/2015) legt der Tenor jetzt eine Sammlung von Arien Bellinis und Donizettis vor, wiederum begleitet vom Orchester...
