Gravierende Lücken

Weinberg: Der Idiot
Moskau | Bolschoi Theater

Opernwelt - Logo

Endlich ist Mieczysław Weinberg am Bolschoi Theater angekommen. Mit seiner Dostojewski-Oper «Der Idiot». Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod und fast 50 Jahre nach einem ersten Anlauf. Damals, im verhängnisvollen Jahr 1968, als sowjetische Panzer den Prager Frühling beendeten, stand «Die Passagierin» auf dem Premierenplan, man probte bereits. Doch dann wurde die Produktion abgesagt. Dass nun ein Bühnenwerk des Komponisten ins Repertoire aufgenommen wurde, ist also kein gewöhnliches Ereignis.

Parallel zu den Aufführungen veranstaltete die Zeitschrift «Musikalnoje obosrenije» («Musical Review») ein internationales Weinberg-Symposium. Im Einführungstext zum Programm heißt es, Weinberg sei eine Art «Blaupause des sowjetischen Komponisten» gewesen, der für Lenin-Geburtstage, die Oktoberrevolution, die Eröffnung des XXVII. Parteitages der KPdSU und «zum Ruhm der Freundschaft der Völker in der UdSSR» komponiert habe.

Weinbergs Werke wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren in seiner Wahlheimat oft aufgeführt, er wurde als verdienter Volkskünstler der RSFSR ausgezeichnet, erhielt sogar den Staatspreis der UdSSR. «Der Idiot» entstand zwischen 1984 und 1986, in einer Zeit, als die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Alexej Parin

Weitere Beiträge
Vollblut

Nanu, was ist denn das? Den Besucher grüßt beim Betreten des Parketts ein sommerlich-heiterer Bühnenprospekt mit fröhlichen, Luftballons schwenkenden Kids auf der grünen Wiese. Wie ein Foto vom letzten Kindergeburtstag. Davor hocken Kinderdarsteller am Boden; wie sich dann herausstellt, sind es die Atridengeschwister Elektra, Chrysothemis, Orest und Iphigenie in...

Ausgebleicht

Das Stück ist sakrosankt, unantastbar. Vollendete Vokalkunst. Und einer der tristesten Klagegesänge der Musikgeschichte. «When I am laid in earth», Didos Weltabschiedsarie, trägt den Schmerz einer ganzen Epoche in sich, ist aber zugleich von einer so ätherischen Schönheit, dass man das Leben im Jenseits fast schon wieder als wunderbar imaginieren möchte. Der Tod...

Alte Meister

Hans Hotter (1909-2003), für eine Dekade der bestimmende Heldenbariton im Nachkriegs-Bayreuth, war von Anbeginn seiner Karriere auch ein herausragender Liedinterpret, wie seine zahlreichen Beiträge zu der legendären Liededition des Pianisten Michael Raucheisen belegen. 1973, da war er schon 64 Jahre alt und nur noch gelegentlich auf der Opernbühne aktiv, wollte er...