Mindestens 50 Prozent sind machbar
Wer im vergangenen Jahr die Salzburger Festspiele besuchte, fühlte sich – und fühlt sich in der Erinnerung noch heute – in die Stimmung des Wunderbaren versetzt. Apoll und die neun Musen schienen mehr als 100 Veranstaltungen unter ihren besonderen Schutz gestellt zu haben, so dass sich am Ende unter den 76.500 höchst irdischen Besuchern niemand mit dem Corona-Virus ansteckte.
Als Mensch der entzauberten Moderne kann man die Festspiele im Ausnahmezustand freilich auch ganz anders lesen: als wissenschaftlichen Großversuch an 76.500 lebenden Objekten.
Denn im Gegensatz zum Wunder, das göttlichen Beistands bedarf, erwies sich die Anordnung dadurch als wissenschaftlich, dass sie sich danach mehrfach wiederholen ließ, mit dem immer gleichen Ergebnis: Opernhäuser und Konzertsäle gehören zu den Orten, an denen Menschen vor Ansteckungen so sicher sind wie fast nirgends sonst, außer an der frischen Luft und in ihren eigenen vier Wänden. Genauer, wie eine im Februar veröffentlichte Studie des Hermann-Rietschel-Instituts der Technischen Universität Berlin festhält: Eine jeweilige Belegung mit Maske vorausgesetzt, ist man in einem zu 40 Prozent ausgelasteten Theaters, Opernhaus und Museum fast ...
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Opernwelt April 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Michael Stallknecht
Wer zu den Stammgästen der Bayreuther Festspiele zählt, ist in der Regel nicht schnell zu beeindrucken, wenn ihm jemand Richard Wagner erklärt. Es muss demnach ein Hochbegabter am Werk gewesen sein angesichts der Tatsache, dass über viele Jahre für die Einführungsmatineen eines Pianisten nicht leichter Karten zu bekommen waren als für die Opernvorstellungen selbst....
Frau Loetzsch, unter den Partien, die Sie aktuell in Ihrem Repertoire haben, sind mit Verdis Eboli und Pascal Dusapins Penthesilea zwei Frauen, die mächtig in Raserei geraten. Fällt Ihnen dieser Gemütszustand gleichsam naturgegeben zu oder müssen Sie sich die Ekstase verordnen?
Nein, und ich gebe zu, dass ein solcher Gemütszustand eher hilfreich ist, um einen guten...
Herr Nigl, wie sind Sie eigentlich zum Lied gekommen?
Ich habe früher mit einem Freund die Schubert- und Schumann-Bände durchgespielt und durchgesungen. Und wann immer man sich ein Lied anhören wollte, kam man um Fischer-Dieskau nicht herum. Ein Donnervater, ein Monolith. Und wenn ich an Wunderlich dachte, war ich froh, dass ich kein Tenor war – sonst wäre ich...
