Gedankenarbeit für alle Sinne

Das Théâtre de la Monnaie überrascht mit Produktionen, die geistigen Anspruch, ästhetischen Schliff und Experimentierlust verbinden. Was steckt hinter der Brüsseler Erfolgsgeschichte?

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Ein gutes Opernhaus erkennt man nicht zuletzt daran, dass es in der Lage ist, gelegentlich über den Radius seiner Möglichkeiten hinauszuwachsen: daran, dass irgendwann im Laufe des siebenwöchigen Probenprozesses oder zuweilen auch erst in den Aufführungen jene katalysierende Reaktion einsetzt, die aus dem Ganzen mehr werden lässt als die Summe seiner Teile und die einen Opernabend erst zum Gesamtkunstwerk im eigentlichen Sinne macht.

Es ist erst wenige Monate her, dass an La Monnaie eine derartige Produk­tion zu erleben war: Die frenetisch gefeierten Aufführungen von Meyerbeers «Les Huguenots», mit denen Brüssels Opernhaus den Schluss­punkt einer mit Höhepunkten ohnehin nicht geizenden Spielzeit setzte, waren eine solche künstlerische Kernschmelze.

Wer verstehen will, was La Monnaie ausmacht, fängt denn auch am besten hier an – zumal Meyerbeers Werk tatsächlich eine der größten Herausforderungen ist, der sich eine Opernbühne heute stellen kann. Denn anders als beim «Ring» oder «Die Frau ohne Schatten» muss hier ja nicht nur eine Besetzung für teils horrend schwierige Partien, sondern müssen ein Stil und ein szenischer Umgang, die fünf Stunden aufwändiges Musiktheater rechtfertigen, ...

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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Jörg Königsdorf

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