Gedankenarbeit für alle Sinne
Ein gutes Opernhaus erkennt man nicht zuletzt daran, dass es in der Lage ist, gelegentlich über den Radius seiner Möglichkeiten hinauszuwachsen: daran, dass irgendwann im Laufe des siebenwöchigen Probenprozesses oder zuweilen auch erst in den Aufführungen jene katalysierende Reaktion einsetzt, die aus dem Ganzen mehr werden lässt als die Summe seiner Teile und die einen Opernabend erst zum Gesamtkunstwerk im eigentlichen Sinne macht.
Es ist erst wenige Monate her, dass an La Monnaie eine derartige Produktion zu erleben war: Die frenetisch gefeierten Aufführungen von Meyerbeers «Les Huguenots», mit denen Brüssels Opernhaus den Schlusspunkt einer mit Höhepunkten ohnehin nicht geizenden Spielzeit setzte, waren eine solche künstlerische Kernschmelze.
Wer verstehen will, was La Monnaie ausmacht, fängt denn auch am besten hier an – zumal Meyerbeers Werk tatsächlich eine der größten Herausforderungen ist, der sich eine Opernbühne heute stellen kann. Denn anders als beim «Ring» oder «Die Frau ohne Schatten» muss hier ja nicht nur eine Besetzung für teils horrend schwierige Partien, sondern müssen ein Stil und ein szenischer Umgang, die fünf Stunden aufwändiges Musiktheater rechtfertigen, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Jörg Königsdorf
Der Tipp kam von einem Freund. Er solle sich doch mal auf YouTube diese junge Russin anschauen. Also ging Marc Minkowski online. Was er da sah und vor allem hörte, versetzte ihn sofort in Hochspannung. Gerade achtzehn war Julia Lezhneva, als Minkowski sie in den Filmchen der Video-Plattform entdeckte und vom Web weg engagierte – für eine Aufnahme von Bachs h-moll...
Eine so vielseitige Spielzeit hat selbst Gerard Mortier in Brüssel nur selten hinbekommen: Neben der Uraufführung von Hosokawas «Matsukaze» (szenisch betreut von Sasha Waltz) sorgte La Monnaie 2010/11 für die glanzvolle Rehabilitierung von Meyerbeers «Les Huguenots»; Andrea Breth setzte sich erstmals mit Janácek auseinander; Romeo Castellucci gestaltete den...
Er ist seit 24 Jahren im festen Engagement. Trotzdem hat ihn der Theateralltag weder mit Zynismus noch mit Hochmut gegerbt.
Johannes Martin Kränzle kann noch immer sonnig lächeln. Er kann an Inhalte und Figuren glauben – und an die sinnliche Kraft der Musik. Er ist bescheiden geblieben. Ein Ausnahmesänger schon deshalb, weil er seine Stimme über so lange Zeit und...
