Gedankenarbeit für alle Sinne
Ein gutes Opernhaus erkennt man nicht zuletzt daran, dass es in der Lage ist, gelegentlich über den Radius seiner Möglichkeiten hinauszuwachsen: daran, dass irgendwann im Laufe des siebenwöchigen Probenprozesses oder zuweilen auch erst in den Aufführungen jene katalysierende Reaktion einsetzt, die aus dem Ganzen mehr werden lässt als die Summe seiner Teile und die einen Opernabend erst zum Gesamtkunstwerk im eigentlichen Sinne macht.
Es ist erst wenige Monate her, dass an La Monnaie eine derartige Produktion zu erleben war: Die frenetisch gefeierten Aufführungen von Meyerbeers «Les Huguenots», mit denen Brüssels Opernhaus den Schlusspunkt einer mit Höhepunkten ohnehin nicht geizenden Spielzeit setzte, waren eine solche künstlerische Kernschmelze.
Wer verstehen will, was La Monnaie ausmacht, fängt denn auch am besten hier an – zumal Meyerbeers Werk tatsächlich eine der größten Herausforderungen ist, der sich eine Opernbühne heute stellen kann. Denn anders als beim «Ring» oder «Die Frau ohne Schatten» muss hier ja nicht nur eine Besetzung für teils horrend schwierige Partien, sondern müssen ein Stil und ein szenischer Umgang, die fünf Stunden aufwändiges Musiktheater rechtfertigen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Jörg Königsdorf
Eine Ära war es nicht. Eher eine Lehrzeit. Albrecht Puhlmann würde sicher vieles anders machen, wenn er in Stuttgart noch mal als Intendant anfangen könnte. Nun ist aber nach fünf Jahren Schluss. Was niemand vermutet hätte, als der gelernte Dramaturg (und in Basel wie Hannover erfolgreiche Opernchef) sein Amt antrat. Der folgende Beitrag versucht, eine faire Bilanz...
Herr Bermbach, Ihr Band über die Wagner-Rezeption in Deutschland bildet den Abschluss einer Trilogie. War das von Anfang an so geplant?
Meine erste Buch-Veröffentlichung zu Wagner war 1994 ein Taschenbuch: «Der Wahn des Gesamtkunstwerks». Entstanden ist es während eines Freisemesters innerhalb von drei Monaten. Nach dessen Abschluss war mir schnell klar geworden,...
Opernfilme, Musikfilme überhaupt, gibt es, so lange es den Tonfilm gibt. Doch sie galten jahrzehntelang nur als eine Art Nebenprodukt des aktuellen Geschehens – ein Hilfsmittel zur Dokumentation von Aufführungsgeschichte für Fachleute, ein Objekt für Sammler und eine Spielwiese für Opernfreaks. Das veränderte sich mit dem Aufkommen des Bildtonträgers DVD vor rund...
