Jugendliche Eleganz
Der Tipp kam von einem Freund. Er solle sich doch mal auf YouTube diese junge Russin anschauen. Also ging Marc Minkowski online. Was er da sah und vor allem hörte, versetzte ihn sofort in Hochspannung. Gerade achtzehn war Julia Lezhneva, als Minkowski sie in den Filmchen der Video-Plattform entdeckte und vom Web weg engagierte – für eine Aufnahme von Bachs h-moll Messe.
Wie man das Internet nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen, weiß die Generation Facebook besser als alle älteren Semester – und die im Dezember 1989 auf der Insel Sachalin geborene Sängerin mit den stahlblauen Augen ist zweifellos ein Kind des digitalen Zeitalters.
Ein Kind freilich, das sich musikalisch im 18. und (frühen) 19. Jahrhundert am wohlsten fühlt. Bei Bach und Vivaldi, bei Mozart, Rossini und Bellini, neuerdings auch bei Meyerbeer. Julia Lezhneva weiß genau, was sie will. Die katapultartig beschleunigte Karriere, die Debüts am Brüsseler Théâtre de la Monnaie (als Urbain in «Les Huguenots») und, wenig später, bei den Salzburger Festspielen (als Brigitta in Tschaikowskys «Jolantha» und Köchin in Strawinskys «Le Rossignol») haben ihren Instinkt für die feine, aber entscheidende Grenze zwischen dem ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Bilanz, Seite 116
von Albrecht Thiemann
Die Oper befindet sich in Auflösung, seit über hundert Jahren, und sie erfindet sich dabei immer wieder neu. Letzteres ist beruhigend zu wissen. Wird aber bei der Moderation der Krisengespräche in den Feuilletons oft vergessen oder gar unterschlagen. Und auch das für die Nachwelt fraglos nützliche Kategorisieren, Sortieren und Hierarchisieren nach Künstleroper,...
Gab es ein irrationaleres Zeitalter als das 20. Jahrhundert?
Verbannt oder verpönt zu verschiedenen Zeiten waren Mendelssohn, Mahler und Schönberg als Juden; Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler, Hans Pfitzner und Franz Schmidt als Nazis; Hanns Eisler, Paul Dessau und Marc Blitzstein im Westen als Kommunisten; Schostakowitsch, der mit dem Vorwurf, «Lärm statt...
Eine Ära war es nicht. Dennoch hat Albrecht Puhlmann es sich nicht nehmen lassen, zu seinem Abschied von der Staatsoper Stuttgart einen opulent gestalteten Bildband herauszugeben, der im Rückblick nochmals Höhe- und Tiefpunkte seiner fünfjährigen Intendanz dokumentiert. Dass die Reflexion dabei nicht zu kurz kommt, dafür sorgen neben bilanzierenden Textbeiträgen...
