FREI NACH PLAUZE
In Vincent Huguets «Don Giovanni»-Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden ist die Titelfigur ein Starfotograf, dessen Zeiten als die Frauen nach seinem Gusto einfach «vereinnahmender» Gigolo längst vorbei sind. Er wohnt in Berlin-Mitte und hat ein ironisches Plakat an der Hauswand hängen, auf dem die (zum Teil ehemaligen) Staatsoberhäupter Merkel und Macron einander küssend herzen.
Das geräumige Loft, das Bühnenbildnerin Aurélie Maestre aus Brutalismus-Beton-Imitaten gebaut hat, zeigt innen zur Rechten eine kleine Ankleideecke sowie einen Computer, mit dem die frisch entstandenen Bilder digital bearbeitet werden können (bei der Registerarie etwa scrollt sich Leporello konsequenterweise durch den Bilderordner seines iPads). Weiter zur Linken sehen wir Scheinwerfer und einen Fotoschirm. Giovanni knippst seine Opfer/Geliebten; zuletzt sogar den vorgeblich von ihm getöteten Commendatore bei dessen Trauerfeier. Giovanni ist ein Tölpel, pietätlos, mit Plauze, täppisch und derb. Michael Volle verkörpert diesen Giovanni treffend und beweist gesanglich sein humoristisches Talent.
Riccardo Fassi spielt – dabei stimmlich flexibel – Leporello als grün bejackten, schlank-sportlichen ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Arno Lücker
JUBILARE
Gotthold Schwarz erblickte am 2. Mai 1952 in Zwickau das Licht der Welt. Als Sohn eines dort ansässigen Kantors war der Weg zur Orgel nicht weit. Ab 1971 folgte die Ausbildung zum Kirchenmusiker an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden. Dort studierte Schwarz Orgel und Gesang – und ging nach Abschluss seines Studiums vor allem seinen sängerischen...
Diese Frau. Wir kennen sie nicht. Und doch wissen wir instinktiv, wer sie ist, was mit ihr geschieht. Oder bereits geschehen ist? Ganz klar wird das nicht. Sichtbar sind nur jene Tränen, die in Zeitlupe erst über die linke, dann über die rechte Wange kullern. Und ihre Augen, die uns fixieren, über Minuten, und deren Ausdruck anmutet wie der flehentliche Versuch,...
Es kommt nicht eben häufig vor, dass ein Komponist eine frühere Oper nach 30 Jahren wiederverwendet, ja, sogar als Prequel, als Vorläufergeschichte verwendet, um ein neues Musiktheaterwerk zu hoffentlich größerem Ruhm zu führen und damit auch dramaturgisch-erzählerisch zu rehabilitieren. Im Zeichen von Leonard Bernsteins letzter Oper «A Quiet Place» aus dem Jahr...
