FREI NACH PLAUZE
In Vincent Huguets «Don Giovanni»-Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden ist die Titelfigur ein Starfotograf, dessen Zeiten als die Frauen nach seinem Gusto einfach «vereinnahmender» Gigolo längst vorbei sind. Er wohnt in Berlin-Mitte und hat ein ironisches Plakat an der Hauswand hängen, auf dem die (zum Teil ehemaligen) Staatsoberhäupter Merkel und Macron einander küssend herzen.
Das geräumige Loft, das Bühnenbildnerin Aurélie Maestre aus Brutalismus-Beton-Imitaten gebaut hat, zeigt innen zur Rechten eine kleine Ankleideecke sowie einen Computer, mit dem die frisch entstandenen Bilder digital bearbeitet werden können (bei der Registerarie etwa scrollt sich Leporello konsequenterweise durch den Bilderordner seines iPads). Weiter zur Linken sehen wir Scheinwerfer und einen Fotoschirm. Giovanni knippst seine Opfer/Geliebten; zuletzt sogar den vorgeblich von ihm getöteten Commendatore bei dessen Trauerfeier. Giovanni ist ein Tölpel, pietätlos, mit Plauze, täppisch und derb. Michael Volle verkörpert diesen Giovanni treffend und beweist gesanglich sein humoristisches Talent.
Riccardo Fassi spielt – dabei stimmlich flexibel – Leporello als grün bejackten, schlank-sportlichen ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Arno Lücker
Irgendetwas stimmt hier nicht: Wir sind in einer grauen, grindigen Halle. Auf (Roll-)Stühlen und in alten Fauteuils: zu Skulpturen erstarrte, mit Tüchern verhüllte Figuren. Aber seitab, da sitzt, wie ein irritierender Farbfleck, eine strickende Maid mit blondem, geflochtenem Haarkranz und in blauem Dirndl (Kostüme: Angelika Rieck). Es ist Herzeleide, die gar nicht...
Einer Sache kann man sich im oft wenig überraschenden Opernbetrieb sicher sein: Inszeniert David Marton, bekommt man etwas, das man in dieser Form vermutlich noch nicht gesehen hat. Auch wenn, wie im vorliegenden Fall, Corona eine gewisse Mitschuld trägt. Ursprünglich sollte Marton am Opernhaus Zürich «L’olimpiade» von Giovanni Battista Pergolesi inszenieren, eine...
Demokratie ist Diskussion. Sie muss Meinungsäußerungen der einen Seite aushalten, die für die andere eigentlich unerträglich sind. Die Rede des einen erlaubt die Gegenrede des anderen. Der Geist der Freiheit will es so. Die Griechen, deren Vorfahren einst die Demokratie erfanden, sind geübt darin, sie vertreten dieses Recht mit enormer Leidenschaft – lautstark und...
