Ich bin, was ich bin
Sollte man nicht glücklich sein, wenn man eine hervorragende Inszenierung gesehen hat? Handelt es sich dabei um eine Inszenierung von Alban Bergs «Wozzeck», so ist die Frage, was «Glück» bedeuten kann, angesichts eines Werks, das schlichtweg perfekt ist, das aber an keiner Stelle (nirgends) so etwas wie «Hoffnung» zulässt.
Regisseur Simon Stone lässt uns auf seiner «Wozzeck»-Reise an der Wiener Staatsoper zwar durchaus Momente der «Ruhe», fasst einem dadurch aber nur umso tiefer in die Eingeweide des Nachdenkens über Determination, psychische Krankheit und Gerechtigkeit. «Eingeweide des Nachdenkens» meint hier nicht nur diverse Bereiche des Hirns, sondern noch ganz andere Körperregionen, die nicht unangetastet bleiben. Sowohl in der Rezeption des Zuschauers – als auch in der Behandlung des zentralen Bühnenprotagonisten. Dieser Wozzeck wird von Christian Gerhaher verkörpert. Und Gerhaher ist ein Jahrhundert-Wozzeck, so viel Untertreibung muss sein. Wozzeck muss Geld für Frau und Kind verdienen, ist aber durch medizinische Experimente, mit denen er eben jenes Zubrot ins Haus schafft, und durch die sexuelle Unterlegenheit gegenüber seiner Frau determiniert, ja: verdammt. All das ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Arno Lückers
Bachs »Matthäus-Passion« als Oper? So fern liegt das nicht, wenn man an die latente Dramatik des Stücks denkt. Und Versuche in diese Richtung der Interpretation gab es immer wieder, bis hin zur Aneignung durch den Choreographen John Neumeier. Aber eine Aufführung als Fest der «Community» unter Beteiligung von Kindern sowie Bürger- und Jugendchören aus Stadt und...
Hören Sie – die Stille – kann man sie hören?» Eine Rhetorik der permanenten zweifelnden Zurücknahme oder halben Dementierung prägt das vom Komponisten stammende Libretto, sein zweites nach seinem ebenfalls an der Nederlandse Opera uraufgeführten «Orest». «Ich habe ihn geliebt – liebte ich ihn?» Vagheit, von der schon Berlioz im Hinblick auf eine neue Ästhetik der...
Ach ja, das Leben. Schön ist es und schwer, doch nie ganz ohne Hoffnung, schließlich ist das Träumen bei allen Schicksalsschlägen, die man im Verlauf der (wie eine Windsbraut vorüberrauschenden) Jahre oder Jahrzehnte erleidet, immer erlaubt. Auf der Suche nach Beispielen für diese wehmütig-utopische Seins-Anschauung wird man in den beiden naturalistischen Romanen...
