Flucht in eine andere Welt
Die Programmwahl schmeckt nach einem Geschenk für den GMD. Einmal weg von der kleineren Dimension am mittleren Haus, endlich das «große» Ding drehen. Kompromisse? Egal, Augen zu und durch die Partitur hindurch. Genau das ist im Theater Regensburg nicht passiert. «Tristan und Isolde» mag dort für hochgezogene Augenbrauen sorgen, treibt aber dennoch einige Wagnerianer aus dem eineinhalb Autostunden entfernten München an die Donau – und ist im Übrigen in Regensburg nichts Neues: Exakt vor zehn Jahren gab es die letzte Premiere dieses Stücks.
Außerdem sind spätestens nach dem Vorspiel die meisten Zweifel verflogen.
Stefan Veselka entwickelt mit seinem (verstärkten) Philharmonischen Orchester ein großes Sensorium für die Partitur sowohl für ihre klanglichen Kulissenwechsel und Temporelationen als auch für den vertikalen Aufbau und die Verlagerung der Kraftfelder. Der Grundpuls ist fast durchwegs hoch, das Brio treibend: Gerade aus seinem Verständnis als Kapellmeister begreift der Dirigent den «Tristan» als Theatermusik, nicht als Symphonie mit vokaler Beilage. Und wenn sich alles beruhigt, in den Nachtszenen des zweiten Akts etwa, klingt das nicht genießerisch, sondern wie delikate ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Markus Thiel
Es ist immer spannend, inwiefern Eröffnungsstücke ehrliche Intendanz-Versprechen für folgende Spielzeiten abgeben. Lothar Krauses Start mit Monteverdis 1642 für den venezianischen Karneval komponierter «L’incoronazione di Poppea» in der Einrichtung von Ernst Krenek verstand sich keineswegs als Opposition gegen die historisch informierte Aufführungspraxis, sondern...
arte
03.11. – 17.40 Uhr
Das Requiem von Fauré im Pariser Panthéon
Ein besonderer Ort für ein besonderes Konzerterlebnis: Das Panthéon bildet die beeindruckende Kulisse für Gabriel Faurés Meisterwerk «Le Requiem», aufgeführt vom Orchestre de Chambre de Paris unter der Leitung von Thomas Hengelbrock. Es ist das erste Konzert des Dirigenten in seinem Amt als...
Die Liebe, heißt es ebenso apodiktisch wie unwiderlegbar in John de La Bruyères Traktat «Les caractères de Théophraste», beginnt stets mit der Liebe, mit ihrer (zeitlosen) Immanenz. Auch Théophile Gautier dachte wohl an diese schönste, zugleich schmerzlichste aller zwischenmenschlichen Empfindungen, an ihre vielfältigen, einander widersprechenden...
