Flucht in eine andere Welt
Die Programmwahl schmeckt nach einem Geschenk für den GMD. Einmal weg von der kleineren Dimension am mittleren Haus, endlich das «große» Ding drehen. Kompromisse? Egal, Augen zu und durch die Partitur hindurch. Genau das ist im Theater Regensburg nicht passiert. «Tristan und Isolde» mag dort für hochgezogene Augenbrauen sorgen, treibt aber dennoch einige Wagnerianer aus dem eineinhalb Autostunden entfernten München an die Donau – und ist im Übrigen in Regensburg nichts Neues: Exakt vor zehn Jahren gab es die letzte Premiere dieses Stücks.
Außerdem sind spätestens nach dem Vorspiel die meisten Zweifel verflogen.
Stefan Veselka entwickelt mit seinem (verstärkten) Philharmonischen Orchester ein großes Sensorium für die Partitur sowohl für ihre klanglichen Kulissenwechsel und Temporelationen als auch für den vertikalen Aufbau und die Verlagerung der Kraftfelder. Der Grundpuls ist fast durchwegs hoch, das Brio treibend: Gerade aus seinem Verständnis als Kapellmeister begreift der Dirigent den «Tristan» als Theatermusik, nicht als Symphonie mit vokaler Beilage. Und wenn sich alles beruhigt, in den Nachtszenen des zweiten Akts etwa, klingt das nicht genießerisch, sondern wie delikate ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Markus Thiel
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