Tyrann mit Schwein

Wagner: Lohengrin am Theater Bremen

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Wie verführbar ist ein Volk? Eine brisante, eine hochpolitische Frage – zu allen Zeiten und gerade auch in unserer unmittelbaren Gegenwart. Frank Hilbrich versucht, sie in seiner «Lohengrin»-Inszenierung zu beantworten. Und so liest sich seine Geschichte: Brabant – der Name ist austauschbar – steht politisch und gesellschaftlich am Abgrund. Das zeigt sich am Prozess gegen Elsa, Tochter des verstor -benen Herzogs, die ihren Bruder Gottfried, den Thronfolger, ermordet haben soll. Das Gericht erstickt in Akten, man weiß sich keinen anderen Ausweg als ein ominöses Gottesgericht.

Da erscheint ein Fremder, eine Art vagabundierender Naivling mit merkwürdig legeren Umgangsformen, und ergreift die Gelegenheit, sich zum Retter Elsas und auch des Volkes zu stilisieren. Willig und ohne sein Wesen und seine Herkunft zu hinterfragen, folgt man ihm, selbst als er seinen Untergebenen die Daumenschrauben anlegt und allmählich zum demagogischen Tyrannen wird. Erst als Elsa das tut, was ihr und dem Volk von diesem merkwürdigen, selbsternannten Herrscher verboten wurde, als sie ihm nämlich die selbstverständliche Frage stellt, wer er denn eigentlich sei, bricht das Konstrukt zusammen. Brabant – der ...

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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Gerhart Asche

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