Fiebertraum

Monteverdi: L’Orfeo an der Oper Zürich

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Für seine Vermessung der Hölle diente Galileo Galilei die in der «Göttlichen Komödie» geschilderte Reise Dantes in die Unterwelt mit Vergil als Vorlage. Vorausgeeilt war ihnen der mythische Sänger Orpheus aus Thrakien, mit dem erklärten Ziel, die allzu früh verstorbene geliebte Gattin Euridice zu befreien. 20 Jahre nach Galileis Kartografie kombinierten Claudio Monteverdi und sein Textdichter Alessandro Striggio 1607 diesen Mythos in der mutmaßlich ersten Oper der Musikgeschichte; den Anlass für «L’Orfeo» lieferte eine feudale Hochzeitsfeier.

Allerdings geht die Rückholaktion schlecht aus: Orfeo kann sich vor Liebesbegehren nicht an das vom Unterweltgott Plutone erlassene Blickverbot halten und verliert Euridice endgültig ans Höllenreich. Da ein solch tragischer Fall natürlich unpassend für eine Feier bevorstehenden Eheglücks erschien, musste der trauernde Sänger durch einen Gott (als Bühnenstellvertreter des feudalen Auftraggebers) in die ewigen Jagdgründe der olympischen Kunstschöpfung erhoben werden.

Letztlich hat Monteverdi für zwei Stunden die wohl schönste Todesmusik der Operngeschichte geschrieben. So zumindest versteht Regisseur Evgeny Titov das Werk. Gewaltig ragt eine ...

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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Bernd Künzig

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