Auf sonnigen Höhen
Ein finsteres Geheimnis umgibt die Felsenhöhle, Mimes und seines Ziehsohns Siegfrieds Wohnstatt. Wenn man es auch nicht zwingend sieht – hören kann man es im Vorspiel zu «Siegfried». Schwer fallen die Fagott-Terzen eine Septim herunter auf den tremoli-bebenden Boden. Unheil bahnt sich an, und wenn das Orchester der Bayreuther Festspiele im zartesten pianissimo die Punktierungen in Gang setzt und sich das Klanggeschehen dann organisch ins Bedrohliche auswächst, dann ist die folgende Szene musikalisch perfekt beleuchtet.
Es ist schon beeindruckend, mit welcher Clarté Joseph Keilberth den Beginn des dritten Teils der «Ring»-Tetralogie im Sommer 1955 in Bayreuth dirigiert. Auf Pathos verzichtet Keilberth auch im Folgenden ebenso wie auf eine mystische Umneblung der Szenen. Sein Dirigat ist flüssig, elegant, pointiert und zutiefst sängerfreundlich. Bislang verstaubte die Aufnahme dieses Abends in den Rundfunkarchiven, nun liegt sie vor und unterstreicht, was sich schon bei der vor zwei Jahren erschienenen Martha-Mödl-CD (mit dem zweiten «Parsifal»- und dem dritten «Siegfried»-Akt) mehr als nur angedeutet hatte: Dringlichkeit entsteht nicht qua Lautstärke und Vehemenz, sondern durch ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 31
von Jürgen Otten
Hübsch hier. Ein gepflegtes Quadrat auf gepflastertem Untergrund, mit zahlreichen Sitzbänken, riesigen Blumentöpfen, kleinen Pavillons samt Fähnchen, auf denen der Spruch «Viel Flut tut gut» zu lesen ist, mit jungen Bäumen und vielen Cafés und Gaststätten drum herum, die so poetische Namen wie «Marlene» oder «Burger & Bar – The place to B» tragen. Auch die...
Drei Novitäten pro Saison herauszubringen, war das Minimum, als Alexander Zemlinsky Musikdirektor des «Neuen Deutschen Theaters» (der heutigen Staatsoper) in Prag war. Novität meint: ein Stück, das noch nie zuvor am Haus gespielt worden war. Meistens war das ein Werk, das druckfrisch aus dem Verlag kam. Gerade einmal vier Monate nach der Uraufführung brachte...
An Pina Bausch kommt man auch in Braunschweig nicht vorbei. Wenn im Programmheft auch nicht von ihr die Rede ist, lässt sich das Bühnenereignis doch kaum ohne ihre Vorarbeit denken. 1977 beschäftigte sie sich in Wuppertal mit Bartóks Operneinakter – das Ergebnis ihrer Recherche ist unter dem Titel «Blaubart. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Bartóks Oper...
