Fehlgriff
Ein Sturm im Wasserglas? Oder, um in der Terminologie des Stücks zu bleiben, eine Prüfung fürs Theater? Jedenfalls reisten Regisseur Marco Štorman und Bühnenbildner Demian Wohler knapp zwei Wochen vor der «Zauberflöten»-Premiere ab. Über die offenbar unüberbrückbaren Differenzen schwieg sich der Regisseur vielsagend aus. Und das Theater Freiburg führte die Produktion weiter – unter «Idee und Konzeption» firmierten im Programmheft nun Štorman, Wohler, GMD André de Ridder, der leitende Musiktheaterdramaturg Heiko Voss sowie die Münchner Firma Moby Digg.
Titel des Abends: «Game on: Zauberflöte – ein Musiktheater in 25 Modulen».
Die Idee hat etwas zeitgeistig Charmantes: Mozarts «Zauberflöte» als eine Art Computerspiel, als partizipatives Theater, bei dem das Publikum mitbestimmen kann, wie es weitergehen soll. Zwei Moderatoren animieren dazu, immer wenn auf dem großen Display auf dem Bühnenhorizont das Wort «Entscheidung» aufleuchtet: Roberto Gionfriddo als niederschwellig gesellschaftskritischer Monostatos und Natasha Sallès als spacige Königin der Nacht (die Sopranistin, in der Mittellage etwas dünn, singt ihre beiden berühmten Arien mit atemraubend klaren Koloraturen). Beide sind, ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Alexander Dick
In einem Selbstinterview gab Glenn Gould 1972 seine Abneigung gegen Beethovens «König-Stephan-Ouvertüre» freien Lauf – «mehr oder minder von der ersten bis zur letzten Note». Die folgenden neun Nummern dieser anlässlich der Eröffnung des Deutschen Theaters in Pest am 9. Februar 1812 komponierten Schauspielmusik erwähnte der kanadische Pianist erst gar nicht. Eine...
Ertrinken, /versinken-, / unbewusst- / höchste Lust? Nein, dasdann doch nicht. Wagners «Liebestod» würde Hera Hyesang Park kaum in die Kehle kommen, auch nicht in ihrem neuen, spirituell ausgerichteten Album mit dem Titel «Breathe». Die Natur hat ihr das Hochdramatische nicht mitgegeben, Isolde wäre ein vokaler Drahtseilakt ohne Netz für die lyrische Sopranistin....
Krzysztof Warlikowski liebt es, unterschiedliche Werke miteinander zu verbinden, um daraus eine ganz persönliche Vision zu entwickeln. So auch 2015 in Paris, als er Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» und Poulencs «La voix humaine» zu einer eindrucksvollen Aufführung verband. Die Produktion, die nichts von ihrer Faszination verloren hat, wurde nun am Teatro San Carlo...
