Seelenräume
An Pina Bausch kommt man auch in Braunschweig nicht vorbei. Wenn im Programmheft auch nicht von ihr die Rede ist, lässt sich das Bühnenereignis doch kaum ohne ihre Vorarbeit denken. 1977 beschäftigte sie sich in Wuppertal mit Bartóks Operneinakter – das Ergebnis ihrer Recherche ist unter dem Titel «Blaubart. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Bartóks Oper ‹Herzog Blaubarts Burg›» in die Theaterannalen eingegangen: eine getanzte Aufführung, mit der die Choreografin wie kaum jemand zuvor in die tiefsten Schichten des Werks vordrang.
Auch am Staatstheater wird getanzt; die Inszenierung mit dem bezeichnenden Titel «Körperfestung/Herzog Blaubarts Burg» wird schließlich als spartenübergreifendes Projekt angekündigt. Noch bevor die Vorstellung musikalisch beginnt, ist auf der Bühne bereits Blaubart zu sehen, und das in knalligem Rot. Eine schwarze Schürze umgebunden geriert er sich wie ein Alter Ego von Hermann Nitsch, der zwar nicht selbst in Blut badet, aber doch eine nackte Tänzerin sich immer wieder in Farbe wälzen lässt, bis sie ihre Körperspuren auf der weißen Leinwand hinterlässt. Wie eine Trophäe aufgehängt, ahnt man auch so, was sich in Blaubarts Innerstem, was sich hinter ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hartmut Regitz
Selbst für Aficionados beginnt Donizettis Karriere spät: mit «Anna Bolena», die er als 33-Jähriger Ende 1830 in Mailand herausgebracht hatte. Von den etwa 30 Opern vor 1830 ist heute nur eine einzige präsent: «Viva la mamma». Dabei hat die Forschung immer wieder auf die Bedeutung einer Partitur hingewiesen, die am Neujahrstag 1828 in Neapel Premiere hatte: «L’esule...
Den Edelmann aus der Mancha kennen die meisten lesenden Erdenbewohner, Miguel de Cervantes hat ihm ein opulentes, 1500 Seiten langes literarisches Denkmal gesetzt. Wie sein Leben klingen könnte, das wissen zumindest Richard-Strauss-Fans; dessen burleske Tondichtung gehört zum Besten, was in der Gattung zuwege gebracht wurde. Wie sich aber Don Quichotte auf der...
Das Bild, man kann es nicht anders sagen, ist trostlos. Einsam und verlassen, im eleganten, schwarzglitzernden Kleid, die Haare halbhoch getürmt, hockt Katerina Ismailowa in der Dunkelheit vor dem Hintereingang eines Varieté-Theaters, begleitet nur vom elegischen Gesang der Soloklarinette, von sehnsüchtigen Violinen und zarten Flötenterzen, so als habe das Leben...
