Seelenräume
An Pina Bausch kommt man auch in Braunschweig nicht vorbei. Wenn im Programmheft auch nicht von ihr die Rede ist, lässt sich das Bühnenereignis doch kaum ohne ihre Vorarbeit denken. 1977 beschäftigte sie sich in Wuppertal mit Bartóks Operneinakter – das Ergebnis ihrer Recherche ist unter dem Titel «Blaubart. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Bartóks Oper ‹Herzog Blaubarts Burg›» in die Theaterannalen eingegangen: eine getanzte Aufführung, mit der die Choreografin wie kaum jemand zuvor in die tiefsten Schichten des Werks vordrang.
Auch am Staatstheater wird getanzt; die Inszenierung mit dem bezeichnenden Titel «Körperfestung/Herzog Blaubarts Burg» wird schließlich als spartenübergreifendes Projekt angekündigt. Noch bevor die Vorstellung musikalisch beginnt, ist auf der Bühne bereits Blaubart zu sehen, und das in knalligem Rot. Eine schwarze Schürze umgebunden geriert er sich wie ein Alter Ego von Hermann Nitsch, der zwar nicht selbst in Blut badet, aber doch eine nackte Tänzerin sich immer wieder in Farbe wälzen lässt, bis sie ihre Körperspuren auf der weißen Leinwand hinterlässt. Wie eine Trophäe aufgehängt, ahnt man auch so, was sich in Blaubarts Innerstem, was sich hinter ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hartmut Regitz
Sie läuft wie ein offenes Messer durch die Welt: Das kann man auch von Déjanire sagen, aber das Messer hat einen Zackenschliff. Begleitet von einem fallenden Viertonmotiv, in dem ein Tritonus von zwei verminderten Quarten gerahmt wird, erscheint die aufs Höchste alarmierte Noch-Ehefrau des großen zivilisatorischen Helden am Ende des ersten Akts, nachdem auf der...
Hübsch hier. Ein gepflegtes Quadrat auf gepflastertem Untergrund, mit zahlreichen Sitzbänken, riesigen Blumentöpfen, kleinen Pavillons samt Fähnchen, auf denen der Spruch «Viel Flut tut gut» zu lesen ist, mit jungen Bäumen und vielen Cafés und Gaststätten drum herum, die so poetische Namen wie «Marlene» oder «Burger & Bar – The place to B» tragen. Auch die...
Möchten Sie beichten?» Im Foyer des Mecklenburgischen Staatstheaters sammelt eine stark geschminkte Nonne in einer großen Wahlurne sündige Geständnisse der Zuschauenden. Gleichzeitig werden «heiliges Gleitgel» und andere frivole Kleinigkeiten als geistlicher Kommerz verkauft. Man ahnt es schon: Die Erlösung von der prüden Sexualmoral der katholischen Kirche gibt es...
