Etwas mehr Ernst, bitte!
Jedes Jahr gibt es zur Festspielzeit in Georg Friedrich Händels Geburtsstadt die Neuproduktion einer seiner Opern. Leider ergreift man dabei kaum einmal die Chance, die Stücke als Herausforderung für eine szenische Neubefragung zu begreifen. Auch die «Ottone»-Inszenierung der Leipziger Operndirektorin Franziska Severin variiert nur längst erprobte Muster, vor allem in den Da-capo-Arien, wo sie sich damit be-
gnügt, den jeweiligen Handlunskontext zu ironisieren.
Und weil Helmut Brades Bühnenbild einem großen Bastelbogen ähnelt und auch die Kostüme Sabine von Oettingens aus der Abteilung «verspielte Exotik» stammen, nimmt niemand das Libretto von Nicola Franceso Haym ernst. Man zieht sich mit Gags und anderen Oberflächenreizen aus der Affäre. Das lieto fine kommt der Regisseurin so absurd vor, dass sie es vom Blatt singen, die Interpreten also auf Distanz zum Geschehen gehen lässt. Wie man aus verwickelten Barock-Libretti ernsthafte Erkenntnisfunken schlagen kann, hatte Nicola Hümpel im Vorjahr mit ihrer «Orlando»-Inszenierung gezeigt, die im Rahmen der Händel-Festspiele 2011 als Reprise zu besichtigen war. Bleibt zu hoffen, dass der neue Opernintendant Axel Köhler künftig mehr Mut ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Joachim Lange
Die Münchner Sonntagskonzerte, 1952 vom Bayerischen Rundfunk ins Leben gerufen und anfangs ganz der leichten Muse gewidmet, entwickelten sich in den 60er-Jahren zu einem Festival großer Opernstimmen. Als Schüler habe ich kaum eine der Sendungen verpasst, in denen auch einige Sänger mitwirkten, von denen es keine Schallplattenaufnahmen gibt und die heute fast oder...
Ein-, am besten zweimal pro Spielzeit musste Barock sein. Ein bisschen Monteverdi, besonders aber Händel. Und je weiter diese Münchner Renaissance zurückliegt, desto mehr verklären sich jene grellbunten Spektakel, die Sir Peter Jonas damals an Bayerns Staatsoper anrichten ließ. Vor allem wird vergessen: Die Wiederaufnahmen verkauften sich immer schwer. Die...
«Amerika, du hast es besser», schwärmte schon Goethe. Voltaire hätte das ebenso bestritten wie Leonard Bernstein, der aus dessen «Candide» ein – ja, was eigentlich machte? Ein Musical? Eine Revue? Ein Lustspiel mit Musik? Als «comic operetta» wollte er die Satire auf die Leibniz’sche These verstanden wissen, dass das ganze Menschenglück auf Erden zu finden sei....
