Élan vital mit Ecken
Würde man ein Bild finden müssen, das seine Musik einigermaßen präzise zu beschreiben vermag, so wäre es das eines Komponisten, der zwischen den Stühlen steht, sprich: zwischen zwei ästhetischen Narrativen. Verwundern darf dies nicht angesichts der Tatsache, dass Arthur Honegger als Kind von Schweizer Eltern geboren wurde, allerdings in der rauen normannischen Hafenstadt Le Havre. In vielen seiner Werke schlägt sich diese Ambivalenz nieder. Mag der Stil kantig sein, so besitzt er doch zugleich einen typisch französischen Duft, dazu einen élan vital.
Ein Außenseiter ist Honegger gleichwohl immer geblieben; viele seiner Werke sind nur einem kleinen Kreis geläufig.
Dazu zählen auch Lieder, die man auf zwei Perioden aufteilen kann. Die eine umfasst den Zeitraum zwischen 1914 und 1924, die andere setzt rund zwanzig Jahre danach ein. Kaum hatte der Erste Weltkrieg begonnen, komponierte Honegger die «Quatre poems» auf Verse vier unterschiedlicher Dichter (wobei das zweite Stück «Petite Chapelle» dem vorliegenden Album zugleich seinen Titel gegeben hat). Der Einfluss Debussys ist deutlich spürbar, zumal die beiden Interpretinnen dessen impressionistische Seite hervorheben: Eleni Lydia ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 66
von Virginie Germstein
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