Wenig Liebe, viel Rache
Wer am Nachmittag vor der Vorstellung noch ein paar Kilometer auf dem Albschäferweg wandert, wähnt sich in einem nachgerade antikischen Arkadien. Da weht ein laues Lüftchen durch die sommerliche Heidelandschaft, die Herden der hier noch wie eh und je umherziehenden Wanderschäfer laufen einem über den Weg. Da will man doch gleich darüber sinnieren, ob das initiale Idyll von Monteverdis «Orfeo» denn nicht das passende Musiktheater in diesem herrlichen Ambiente intakter Natur wäre.
Genau hier müssten Hirten und Nymphen eben jenen Tag preisen, an dem der Urvater des singenden Menschen die Liebe seiner Euridice errang.
Doch die Dimensionen reichen weiter. Schließlich wandeln wir auf dem Kraterrand des fast kreisrunden Steinheimer Beckens, das vor gut 14 Millionen Jahren durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden war. Wo kühne Kräfte sich regten und in vormenschlichen Urzeiten mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Kilometern pro Sekunde die Erdoberfläche zermalmten, neigt man zur Demut und begreift die Historie der Burg Hellenstein auf dem Schlossberg von Heidenheim, wo die Opernfestspiele ihre stimmungsstarke, wichtigste Spielstätte gefunden haben, geradezu als einen Ort der ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Peter Krause
Wer sich mit Wagner auskennt, fürchtet sich nicht vor riesigen, ja, größenwahnsinnigen Projekten und weiß zudem, was die künstlerische Vision eines Einzelnen bewegen kann. Es war 2009, als der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny bei einer konzertanten «Rheingold»- Aufführung in der Rolle des Alberich erstmals Aura und Akustik der damals szenisch noch...
Frau Yoncheva, können wir über Bilder, Imagos und Wahrnehmungen reden?
Ja, natürlich!
Schön. Am Karlsplatz in Wien, gegenüber des Ausstellungsgebäudes der «Secession», hing eine Zeitlang das riesige Werbeplakat eines ubiquitären Uhrenherstellers mit Ihrem Konterfei. Haben Sie sich in der Person, die dort abgebildet war, wiedererkannt? Oder haben Sie dieses «Bild»...
Singen hilft immer. Auch in den schwersten Momenten unseres Lebens, wenn der oder die Liebste für immer dahingegangen ist. «O let me weep, for ever weep» – so lautet die erste Zeile jener Gedichtvertonung, die in einer posthumen Aufführung von Henry Purcells Masque »The Fairy Queen» auf Shakespeares somnambule Komödie «A Midsummer Night’s Dream» anno 1698 im...
