Wenig Liebe, viel Rache
Wer am Nachmittag vor der Vorstellung noch ein paar Kilometer auf dem Albschäferweg wandert, wähnt sich in einem nachgerade antikischen Arkadien. Da weht ein laues Lüftchen durch die sommerliche Heidelandschaft, die Herden der hier noch wie eh und je umherziehenden Wanderschäfer laufen einem über den Weg. Da will man doch gleich darüber sinnieren, ob das initiale Idyll von Monteverdis «Orfeo» denn nicht das passende Musiktheater in diesem herrlichen Ambiente intakter Natur wäre.
Genau hier müssten Hirten und Nymphen eben jenen Tag preisen, an dem der Urvater des singenden Menschen die Liebe seiner Euridice errang.
Doch die Dimensionen reichen weiter. Schließlich wandeln wir auf dem Kraterrand des fast kreisrunden Steinheimer Beckens, das vor gut 14 Millionen Jahren durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden war. Wo kühne Kräfte sich regten und in vormenschlichen Urzeiten mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Kilometern pro Sekunde die Erdoberfläche zermalmten, neigt man zur Demut und begreift die Historie der Burg Hellenstein auf dem Schlossberg von Heidenheim, wo die Opernfestspiele ihre stimmungsstarke, wichtigste Spielstätte gefunden haben, geradezu als einen Ort der ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Peter Krause
Christian Thielemann, der alte Strauss-Hase, wurde im Vorfeld der Berliner Premiere nicht müde zu betonen, wie schwierig die «Schweigsame Frau» sei. Ins Haarsträubende hat Strauss die Anforderungen an Orchestermusiker wie an die Sängerinnen und Sänger hier gesteigert. Rasende Geschwindigkeit, rhythmische Vertracktheit, blitzschnelle Farbwechsel: Für die Musiker im...
Persönlich getroffen haben sie sich nie. Doch das war vermutlich auch gar nicht nötig – die Verse des einen waren für den anderen Inspiration genug. Und so musste Mieczysław Weinberg nicht lange überlegen (und auch nicht lange suchen – die in Frage kommenden lyrischen Werke standen in seiner Bibliothek), als er 1940 seine ersten, einer unbekannten Schönheit...
Angesichts der rassistischen Einwanderungspolitik von Donald Trump hält Regisseur Till Kleine-Möller Bernsteins «West Side Story» von 1957 für brandaktuell. Das Motto «Black Lives Matter» ist jedenfall ganz offensichtlich durch die aus Puerto Rico eingewanderten «Sharks» in schwarzen Lettern auf eine Plastikplane an einem Nachbau des Bethesda-Brunnens im New Yorker...
