Wenig Liebe, viel Rache

Vera Nemirova verbindet bei den Heidenheimer Opernfestspielen gekonnt Puccinis «Gianni Schicchi» und Strauss’ «Elektra», mit «Attila» wird die Reihe früher Verdi-Opern fortgesetzt

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Wer am Nachmittag vor der Vorstellung noch ein paar Kilometer auf dem Albschäferweg wandert, wähnt sich in einem nachgerade antikischen Arkadien. Da weht ein laues Lüftchen durch die sommerliche Heidelandschaft, die Herden der hier noch wie eh und je umherziehenden Wanderschäfer laufen einem über den Weg. Da will man doch gleich darüber sinnieren, ob das initiale Idyll von Monteverdis «Orfeo» denn nicht das passende Musiktheater in diesem herrlichen Ambiente intakter Natur wäre.

Genau hier müssten Hirten und Nymphen eben jenen Tag preisen, an dem der Urvater des singenden Menschen die Liebe seiner Euridice errang.

Doch die Dimensionen reichen weiter. Schließlich wandeln wir auf dem Kraterrand des fast kreisrunden Steinheimer Beckens, das vor gut 14 Millionen Jahren durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden war. Wo kühne Kräfte sich regten und in vormenschlichen Urzeiten mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Kilometern pro Sekunde die Erdoberfläche zermalmten, neigt man zur Demut und begreift die Historie der Burg Hellenstein auf dem Schlossberg von Heidenheim, wo die Opernfestspiele ihre stimmungsstarke, wichtigste Spielstätte gefunden haben, geradezu als einen Ort der ...

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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Peter Krause

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