Dem Zeitkern auf der Spur
Ein tätiges Leben, verstanden im Sinne von Hannah Arendts Idee einer «vita activa» (so der Herausgeber Günther Heeg), wird besichtigt; in Augenschein genommen von demjenigen, der es durchmessen hat. Zu seinem 85. Geburtstag hat sich Klaus Zehelein, einer der wirkmächtigsten und einflussreichsten bundesdeutschen Dramaturgen, Musiktheatermacher und Kunst-Ermöglicher, das vielleicht schönste Geschenk selbst auf den Gabentisch gelegt – eine Autobiographie mit dem poetisch-vieldeutigen (einem seiner Aufsätze entlehnten) Titel «Unerhörte Augenblicke».
Jossi Wieler, dessen Karriere (wie ebenfalls die seines Co-Regisseurs und Dramaturgen Sergio Morabito) ohne die Unterstützung Zeheleins in dieser Form gewiss kaum denkbar wäre, bezeichnet den ehemaligen Intendanten der Staatsoper Stuttgart (wo man sich traf) im Vorwort als eine «Ikone des Musiktheaters». Was das meint, auch das erläutert Wieler und trifft damit sehr gut das Selbstverständnis seines Förderers: «Klaus hat ein Ethos gelebt, von dem sich alle Mitarbeitenden beseelt und auch gefordert fühlten.» Es war wohl immer beides: Wenn Zehelein eines nie mochte, dann war es irgendeine Form der Bequemlichkeit – im Umgang miteinander, mit ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Magazin, Seite 90
von Jürgen Otten
Lassen wir das Reizwort «Musical» einmal beiseite. Ja, es stimmt: Matthias Davids ist ein Fachmann für dieses Genre, und er leitet das dafür zuständige Ensemble am Landestheater Linz. Dass er für eine Inszenierung der «Meistersinger» nach Bayreuth eingeladen wurde, hat deshalb für Verwunderung, auch für Argwohn gesorgt. Doch lässt sich der Abend, der letztlich...
Christian Thielemann, der alte Strauss-Hase, wurde im Vorfeld der Berliner Premiere nicht müde zu betonen, wie schwierig die «Schweigsame Frau» sei. Ins Haarsträubende hat Strauss die Anforderungen an Orchestermusiker wie an die Sängerinnen und Sänger hier gesteigert. Rasende Geschwindigkeit, rhythmische Vertracktheit, blitzschnelle Farbwechsel: Für die Musiker im...
Die letzten Tage wurde nochmal alles nach vorn geworfen. Zuvorderst der Intendant: Jonas Kaufmann jodelnd auf einer Almwiese oder plaudernd zwischen namentlich nicht genannten Kolleginnen und Kollegen; Barbara Hannigan staunend am Erler Wasserfall; schließlich der Regisseur selbst, der seine Protagonistin mit einem Ferrari vergleicht. Alles Social-Media-Videos,...
