Dem Zeitkern auf der Spur

In seiner Autobiographie «Unerhörte Augenblicke» zieht der Dramaturg, Intendant und (Musik-)Theatermacher Klaus Zehelein pünktlich zum 85. Geburtstag ein ebenso fundiertes wie kritisches Resümée

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Ein tätiges Leben, verstanden im Sinne von Hannah Arendts Idee einer «vita activa» (so der Herausgeber Günther Heeg), wird besichtigt; in Augenschein genommen von demjenigen, der es durchmessen hat. Zu seinem 85. Geburtstag hat sich Klaus Zehelein, einer der wirkmächtigsten und einflussreichsten bundesdeutschen Dramaturgen, Musiktheatermacher und Kunst-Ermöglicher, das vielleicht schönste Geschenk selbst auf den Gabentisch gelegt – eine Autobiographie mit dem poetisch-vieldeutigen (einem seiner Aufsätze entlehnten) Titel «Unerhörte Augenblicke».

Jossi Wieler, dessen Karriere (wie ebenfalls die seines Co-Regisseurs und Dramaturgen Sergio Morabito) ohne die Unterstützung Zeheleins in dieser Form gewiss kaum denkbar wäre, bezeichnet den ehemaligen Intendanten der Staatsoper Stuttgart (wo man sich traf) im Vorwort als eine «Ikone des Musiktheaters». Was das meint, auch das erläutert Wieler und trifft damit sehr gut das Selbstverständnis seines Förderers: «Klaus hat ein Ethos gelebt, von dem sich alle Mitarbeitenden beseelt und auch gefordert fühlten.» Es war wohl immer beides: Wenn Zehelein eines nie mochte, dann war es irgendeine Form der Bequemlichkeit – im Umgang miteinander, mit ...

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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Magazin, Seite 90
von Jürgen Otten

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