Eine neue Identität
Einige Kollegen haben sich mit unmöglichen Verträgen, Dienstverhältnissen und Paragrafen beschäftigt, die uns seit Jahren das Berufsleben schwer machen und nun in der Krise auf den Kopf gefallen sind. Das war ein Hauptthema in unserer Musikerfamilie und natürlich drehen sich nach wie vor viele Gespräche bis tief in die Nacht um genau diese Themen. Doch ich muss es gestehen – für mich bedeutete diese Zeit primär die einmalige Chance, der Entwicklung meiner Stimme Raum zu geben.
Einer Entwicklung, die sich schon eine Weile angedeutet hatte, der ich im «laufenden Betrieb» aber nicht nachgehen konnte: Corona bot mir die Möglichkeit, diese Monate zu nutzen, einen Fachwechsel vom lyrischen Sopran zum Mezzosopran vorzubereiten.
Gleich voraus: Ich meine damit natürlich nicht den schwarzen Alt. Es geht um die Tessitur, in der ich mich vorzugsweise bewege, die beim Mezzosopran eben ein wenig tiefer liegt, aber durchaus Ausflüge in die Höhe oder Tiefe zulässt. Diese «Vermittlerin» zwischen Alt und Sopran gab es zwar biologisch sicher schon immer, aber früher hieß sie «zweiter Sopran» oder «soprano corto». Noch bei Mozart, erst recht bei Bach sucht man solche Bezeichnungen vergebens. Aber das ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 47
von Anna Lucia Richter
«Beethoven è incazzato», ruft Riccardo Muti ins Orchester, als er am letzten Probentag den Auftakt zum Finale der «Eroica» gibt. Das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini versteht den Maestro und dieses Adjektiv, das in seiner eigenen Giovinezza wohl nicht ganz jugendfrei war, mit «stinksauer» noch milde übersetzt ist, diesem Klangkörper aus den besten...
Das ist großsprecherisch, prahlerisch, Italien und die Gascogne in einem, und: es ist wahr!» Das schrieb Hector Berlioz 1855 anlässlich der ihm vom jungen Hans von Bülow und von Liszt abverlangten Revision seines «Benvenuto Cellini» von 1838 für dessen Weimarer Revival in den 1850er-Jahren. Er hatte bei der Uraufführung alle überfordert, die Ausführenden ebenso wie...
Wir leben im Zeitalter der Beschleunigung. Höher, schneller, weiter – das ist das inhärente Credo des Kapitalismus. Entschleunigung zu denken galt bislang als gesellschaftskritische Position. Dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. Zeit zum Nachdenken – auch über die Zukunft des Theaters. Zeit zum Nachdenken, wie Theater- und Kunstproduktion Relevanz entfalten...
