Unter dem Brennglas
Wir leben im Zeitalter der Beschleunigung. Höher, schneller, weiter – das ist das inhärente Credo des Kapitalismus. Entschleunigung zu denken galt bislang als gesellschaftskritische Position. Dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. Zeit zum Nachdenken – auch über die Zukunft des Theaters. Zeit zum Nachdenken, wie Theater- und Kunstproduktion Relevanz entfalten können, während und nach der Krise.
Um genau zu sein: nach der Corona-Krise, denn eine komplexe globale Krise war auch vor der Pandemie schon da: die Klimakrise, die Krise der wachsenden Ungleichheit zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden, Flucht- und Migrationsbewegungen, die Krise der wachsenden sozialen Gräben in Europa, Rechtsruck. Das Credo Christoph Schlingensiefs, die Krise als Chance zu begreifen, drängt sich auf: Nachhaltigkeit und Entschleunigung könnten als Handlungsanweisungen für einen neuen Umgang mit der globalen Krise dienen. Denn Covid-19 hat die Krisensymptome und zu lang geduldeten Missstände wie unter einem Brennglas sichtbarer gemacht.
Künstler*innen sind unentbehrliche Akteur*innen in globalen Krisen. Eben deshalb erlebt politische Kunst seit vielen Jahren ein Revival, oft mit Formen, die ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 46
von Amelie Deuflhard
Man mag es immer noch nicht glauben: Seit Herbst 2019 sind die Skizzen und Entwürfe aus Giuseppe Verdis Nachlass im Staatsarchiv von Parma zugänglich. Zwar bleiben die von der römischen Regierung in einer überraschenden Aktion im Frühjahr 2017 sichergestellten Originale im Tresor. Doch wer vor dem Corona-Shutdown nach Parma gekommen war, konnte am Bildschirm Scans...
Seine wichtigste Quelle ist die Leere. Die Absenz aller Gedankenschwere. Den Kopf müsse er frei haben, um anfangen zu können. Um empfänglich zu sein für Ideen, Perspektiven, Erfahrungen, die sonst unbemerkt blieben. Für inwendige Energien von Menschen, Dingen, Werken, die sich nicht von selbst erschließen. Für die Essenz jener verborgenen existenziellen Kräfte, die...
Man muss nicht gleich die Labyrinthe der Hegel’schen Dialektik bemühen, um zu erfahren, dass Gegensätze, ja Widersprüche, sich keineswegs ausschließen. Zwei Beispiele: Der Pianist Friedrich Gulda, als Exponent eines «modernen», motorisch-energetischen Beethoven-Stils ebenso gefeiert wie als engagierter Jazzmusiker mit Misstrauen bedacht, nannte als Vorbilder...
