Eigenmächtig
Das ist großsprecherisch, prahlerisch, Italien und die Gascogne in einem, und: es ist wahr!» Das schrieb Hector Berlioz 1855 anlässlich der ihm vom jungen Hans von Bülow und von Liszt abverlangten Revision seines «Benvenuto Cellini» von 1838 für dessen Weimarer Revival in den 1850er-Jahren. Er hatte bei der Uraufführung alle überfordert, die Ausführenden ebenso wie das Publikum. Überforderung aber war nicht nur faktisches Resultat des Werks, sondern dessen ästhetisches Programm.
Das gilt vor allem für das vierte und letzte Bild, in dem nach allen Commedia-dell’arte-Späßen und Intrigen sowie nach dem Augen und Ohren verwirrenden Karnevalstrubel die «Wahrheit» des Werks aufscheinen soll – das Künstlerthema der autonom gesetzten übermächtigen Aufgabe, die es zu meistern gilt: des Perseus-Gusses, mit dem der Goldschmied sich zum Bildhauer adeln will. Dieses Bild wurde für Weimars Musiker und Publikum radikal gekürzt – und erst John Nelson hat 2004, nach Hugh McDonalds monumentaler Edition, das vollständige vierte Bild, das in seinem Verlauf alle Gattungskonventionen sprengt, musikalisch und dramatisch überzeugend realisiert. Diese Aufnahme ist immer noch der Referenzpunkt.
Die Flucht ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Klaus Heinrich Kohrs
Musikalischen Bildern der Verrücktheit und des Wahnsinns hat die französische Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac ihr neues Album gewidmet. Das Außer-sich-Sein und die Liebe liegen in der Kunst wie im Leben nahe beieinander. In einer von La Fontaines Fabeln wird die personifizierte Tollheit, die ihrem Pendant, l’amour, im Streit das Augenlicht geraubt hat, von den...
61. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
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Eckhard Henscheid ätzt in «Dummdeutsch», die andauernde Verwendung der Vokabel irgendwie sei «irgendwie eine spezifische geistige Schrumpfleistung der Post-No-Future-Generation». In diesen unseren Krisenzeiten scheint sie indes allgegenwärtig. Und wenn ein prominenter Theaterleiter äußert, man müsse irgendwie über die nächsten Monate und vielleicht Jahre kommen,...
