Ein säkularisierter Held
Opernkennern ist der biblische Kriegerheld Simson unter dem vertrauteren Namen Samson bestens bekannt. Camille Saint-Saëns’ «Samson et Dalila» konnte sich als einzige der elf Opern des Komponisten im Repertoire behaupten. Der Erfolg stellte sich allerdings nicht sofort ein. Nach vergeblichen Versuchen, die Oper in Frankreich auf die Bühne zu bringen, fand die Uraufführung 1877 schließlich unter dem Titel «Simson und Delila» in deutscher Sprache am Weimarer Hoftheater statt.
Saint-Saëns und sein Librettist Ferdinand Lemaire waren nicht die Ersten, die in der Geschichte des tragischen Helden Samson ein packendes Opernsujet erkannten. Ihr Werk griff bewusst auf ein Libretto zurück, das Voltaire für Jean-Philippe Rameau gedichtet hatte. Während Rameaus Partitur verschollen ist (in diesem Sommer aber beim Festival d’Aix en Provence auf wundersame Weise «wiederbelebt» wird), sind die Noten einer anderen Samson-Oper aus dem Archivdunkel ans Tageslicht gelangt. Erst vor wenigen Jahren erschienen Partitur und Klavierauszug von Joachim Raffs Musikdrama in drei Abteilungen (fünf Aufzügen) «Samson» im Stuttgarter Verlag Edition Nordstern. Trotz zahlreicher Bemühungen an mehreren Theatern war ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Thomas Seedorf
Die Geschichte ist alt. Sehr alt. Wir finden sie in der Bibel, im «Buch der Richter», Kapitel 16. Und schon der Beginn lässt einen erschaudern: Die Geschichte spielt in Gaza, und sie handelt vom Sterben. Simson, von Gott als Nasiräer geweiht, kommt nach Gaza, geht zu einer Dirne und wird dafür von den Menschen dort gehasst. Sie wollen ihn umbringen, doch Simson...
Möchten Sie beichten?» Im Foyer des Mecklenburgischen Staatstheaters sammelt eine stark geschminkte Nonne in einer großen Wahlurne sündige Geständnisse der Zuschauenden. Gleichzeitig werden «heiliges Gleitgel» und andere frivole Kleinigkeiten als geistlicher Kommerz verkauft. Man ahnt es schon: Die Erlösung von der prüden Sexualmoral der katholischen Kirche gibt es...
Frau Kulman, erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Bühnenauftritt?
Natürlich! Das war am 19. Dezember 2021 in Bamberg, ein Abend mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Jakub Hrůša. Das Haus war wegen Corona nur zu einem Drittel gefüllt. Ich habe ein eigenes Wunschprogramm gesungen und am Ende Mahlers «Wunderhorn»-Lied «Urlicht». Und dann war...
