Wundertüte am Weserstrand

Oper in Bremerhaven? Keine leichte Übung. Doch Intendant Lars Tietje und sein Team sorgen mit einem klugen Spielplan und kommunikativem Geschick dafür, dass die Menschen ihr Stadttheater weiterhin lieben. Eine Reportage

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Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren

Hübsch hier. Ein gepflegtes Quadrat auf gepflastertem Untergrund, mit zahlreichen Sitzbänken, riesigen Blumentöpfen, kleinen Pavillons samt Fähnchen, auf denen der Spruch «Viel Flut tut gut» zu lesen ist, mit jungen Bäumen und vielen Cafés und Gaststätten drum herum, die so poetische Namen wie «Marlene» oder «Burger & Bar – The place to B» tragen. Auch die dreistöckigen Wohn- und Geschäftshäuser rund um den Theodor-Heuss-Platz glänzen an diesem Nachmittag in der Sonne. Der Himmel ist eine taubenblaue Leinwand, über der mächtig meckernd einige Möwen kreisen.

Unterhalb von ihnen herrscht Gemütlichkeit, entspannte Ruhe. Nur vereinzelte Paare und Passanten flanieren über den Platz, in dessen Mitte, von den Zeiten sichtlich patiniert, jener Mann steht, dem die Stadt Bremerhaven ihre Gründung verdankt: Johann Smidt, Politiker und ehemaliger Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen, leider mit einigen antisemitischen Zügen, wie man liest. Am Zaun, der seine Statue umgürtet, haben Menschen Blumen und Kerzen für den ermordeten russischen Oppositionellen Alexei Nawalny sowie ein Foto von ihm aufgestellt. Eine rührende Geste.

Schweift der Blick des Besuchers weiter, trifft er auf ein ...

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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Reportage, Seite 60
von

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