Durst
Die Szene: eine Gitterkonstruktion auf zwei Etagen, eine Treppe, Flure, Türen, die szenische Abbreviatur des Hochhauses, in dem das Stück spielt. Im Bühnenvordergrund das Zimmer Franziskas, der Hauptfigur, mit ein paar zerschlissenen Möbelstücken angedeutet. Weitere Spielorte werden lediglich durch Requisiten markiert. Die Zuordnung der Räume wirkt beliebig. Wer im ersten Stock eine Wohnungstür öffnet, taucht wenige Augenblicke später in der «Wohnung» zu ebener Erde auf.
Das Treppenhaus, zunächst getrennt von den Wohnungen gedacht, scheint im nächsten Moment geradewegs in Franziskas Zimmer zu führen. Doch nicht szenische Schlamperei ist hier am Werk: Anselm Webers Inszenierung von Christian Josts Oper «Die Arabische Nacht» ist ein planvolles Verwirrspiel, das die Raumgrenzen auflöst – oder besser gesagt: verflüssigt.
Wasser ist ein zentrales Motiv im Stück des Dramatikers Roland Schimmelpfennig, das der Oper zugrunde liegt: Mitten in tropisch heißer Sommernacht fällt in der Hochhaussiedlung einer Großstadt die Wasserversorgung aus. Die Vision von Wasser, das alle irgendwo im Haus rauschen, tröpfeln, rinnen zu hören glauben, setzt Fantasien und Träume in Gang, die die Realität ...
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Hans Werner Henze konnte für die Münchener Biennale, sein 1988 gegründetes Festival für neues Musiktheater, gründlich «proben». In der Toskana hatte er 1976 den «Cantiere d’arte» (Kunstwerkstatt) ins Leben gerufen, den er fünf Sommer lang künstlerisch leitete und organisierte. Danach schuf er ähnliche Projekte in der Steiermark. Dann kam München und bot dem...
Die früh verstorbene amerikanische Mezzosopranistin Jean Madeira (1918-1972) war in ihrer Generation eine zentrale Protagonistin in Bizets «Carmen», die sie nach ihrem Rollendebüt an der Met (1956) über zweihundertmal in aller Welt gesungen hat. Dass ihr Nachruhm aber nicht mit dieser Rolle, sondern eher mit der Klytämnestra in der Strauss-Oper in Verbindung...
Der Tod hat ein seltsames Antlitz, das Antlitz des Egalitären, des Vermeintlichen; alles nur halb so schlimm, nicht wirklich ernst gemeint. Eben so lächeln auch Floria Tosca, die Künstlerin, und Scarpia, der Polizeichef von Machiavellis Gnaden, in diesem entscheidenden Augenblick, der, und das rundet die Szene zur Farce, um einiges später eintritt als in der...
