Durst
Die Szene: eine Gitterkonstruktion auf zwei Etagen, eine Treppe, Flure, Türen, die szenische Abbreviatur des Hochhauses, in dem das Stück spielt. Im Bühnenvordergrund das Zimmer Franziskas, der Hauptfigur, mit ein paar zerschlissenen Möbelstücken angedeutet. Weitere Spielorte werden lediglich durch Requisiten markiert. Die Zuordnung der Räume wirkt beliebig. Wer im ersten Stock eine Wohnungstür öffnet, taucht wenige Augenblicke später in der «Wohnung» zu ebener Erde auf.
Das Treppenhaus, zunächst getrennt von den Wohnungen gedacht, scheint im nächsten Moment geradewegs in Franziskas Zimmer zu führen. Doch nicht szenische Schlamperei ist hier am Werk: Anselm Webers Inszenierung von Christian Josts Oper «Die Arabische Nacht» ist ein planvolles Verwirrspiel, das die Raumgrenzen auflöst – oder besser gesagt: verflüssigt.
Wasser ist ein zentrales Motiv im Stück des Dramatikers Roland Schimmelpfennig, das der Oper zugrunde liegt: Mitten in tropisch heißer Sommernacht fällt in der Hochhaussiedlung einer Großstadt die Wasserversorgung aus. Die Vision von Wasser, das alle irgendwo im Haus rauschen, tröpfeln, rinnen zu hören glauben, setzt Fantasien und Träume in Gang, die die Realität ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die scharfsinnigsten, zugleich unterhaltsamsten Randbemerkungen zur Bayreuther Dauerkabale stammen aus der Mitte des Wagner-Clans; sie finden sich in dem vor zehn Jahren erschienenen Buch «Wagner Theater» von Nike Wagner, der Tochter Wielands und Urenkelin Richard Wagners. Seit Cosima, so Nikes Leitgedanke, sich zur Hüterin des (testamentarisch nie fixierten)...
Somtow Sucharitkul ist ein vielseitiger Mann (gesprochen klingt der Name etwa wie Somtau Sucharitkun – die Übertragung aus dem 76 Buchstaben umfassenden thailändischen in das aus 26 Buchstaben bestehende lateinische Alphabet wirft einige Probleme auf). Der Komponist und Dirigent ist gebürtiger Thai, hat aber einen amerikanischen Pass und seinen Hauptwohnsitz in Los...
Wer im späten 19. Jahrhundert nördlich der Alpen Musik für die Bühne schrieb, kam um Wagner nicht herum. Mitunter hatte dies zweifelhafte Folgen: Mancher Spätgeborene ging vor den unendlichen Melodien des Bayreuther Meisters in die Knie. Chromatik light, Mischklang secondhand, geliehene Leitideen statt genuin eigener Töne. Zu den vergessenen Wagner-Epigonen jener...
