Manche mögen’s kalt
Manhattan kann magisch sein – wenn man das nötige Kleingeld hat, um den Spaß zu finanzieren, der die Magie auszulösen vermag. Jene beiden Paare, die noch bei Lorenzo Da Ponte (der sein letztes Lebensdrittel in New York verbrachte, vom Obst- und Gemüsehändler in der Bowery zum Professor mutierte und wehmütig wie zahnlos auf sein an Amouren reiches Leben zurückschaute) und Wolfgang Amadeus Mozart unter neapolitanischen Zitronenbäumen von der Muße sowie dem damit verbundenen Genuss träumten, sind auf unergründlichen Wegen dort gelandet.
Das zumindest suggeriert jenes «Bild», das auf der Bühnenrückwand prangt, mit einer Kopie des Empire State Building, einigen anderen Wolkenkratzern sowie einem Hauch von Flieder. Ein Idyll, indem sich Fiordiligi, Guglielmo, Dorabella und Ferrando eingerichtet haben und in ihrem schick-mondänen Loft das Savoir-vivre üben, mit den üblichen Ingredienzen: Weißwein, Wellness und weißgewandete Dienerschaft. Da aber Mozarts Opera buffa «Così fan tutte» im Untertitel «La scuola degli amanti» heißt, wird das Dolce-vita-Quartett von Regisseur Paweł Szkotak in Warschau auf die Schulbank gedrückt. Ihr Lehrer Don Alfonso, den Artur Janda sehr gekonnt als ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 34
von Jürgen Otten
Würzburgs langjähriger, demnächst scheidender Operndirektor Berthold Warnecke war schon für so manche Entdeckung gut, brachte sein Haus aber auch gern mal an Grenzen, etwa mit Wagner oder Meyerbeer. Der neueste Streich gilt indes einer wunderbaren Rarität. Winfried Zillig wurde 1905 in Würzburg geboren und etablierte sich rasch als erfolgreicher Komponist und...
Nicht nur die Tonart, in der Wagners «Ring des Nibelungen» anhebt, ist numinosen, mithin göttlichen Ursprungs. Dieses «Wiegenlied der Welt», wie es ihr Schöpfer nannte, darf als einer der kühnsten Opern-Anfänge gelten, davon war auch Peter Gülke überzeugt. In seinem letzten Buch, wenige Wochen vor seinem Tod erschienen («Menschen. Zeiten. Musik»), widmete sich der...
Aus diesen Mauern gibt es kein Entkommen. In Àlex Ollés Inszenierung von Wolfgang Fortners «Bluthochzeit» blickt man in ein steinernes Verlies. Die hohen Wände reichen fast bis an den Schnürboden heran. Unten sitzen Mutter und Sohn an einer langen Tafel. Genügend Platz für eine große Familie, doch die beiden leben allein wie in einer Gruft.
Die Oper beruht auf dem...
