DIE WELT SO SCHWER
Ach ja, das Leben. Schön ist es und schwer, doch nie ganz ohne Hoffnung, schließlich ist das Träumen bei allen Schicksalsschlägen, die man im Verlauf der (wie eine Windsbraut vorüberrauschenden) Jahre oder Jahrzehnte erleidet, immer erlaubt. Auf der Suche nach Beispielen für diese wehmütig-utopische Seins-Anschauung wird man in den beiden naturalistischen Romanen «Niels Lyhne» und «Marie Grubbe» oder in einer der Novellen und Gedichte des dänischen Schriftstellers und Lyrikers Jens Peter Jacobsen garantiert fündig.
Jacobsens Heldinnen und Helden, sie alle haben ein zwiespältiges Ich, sind durchströmt von schwärmerischem Blut, doch zugleich peinigt sie die Sehnsucht nach etwas Fernem, Unerreichbarem. So auch den namenlosen «Erzähler» in dem Gedicht «Pess bera menn sár», der seine Wunden offen herzeigt, um im selben Moment wieder den (frommen) Wunsch zu hegen, sie mögen baldmöglich vernarben.
In der Vertonung durch Árni Thorsteinson (1870–1962) wird das zumal in den schwerfällig, harmonisch monoton dahinschreitenden Akkorden des Klaviers deutlich. Und mehr noch in jener wehmütigen Melodie, die darüber liegt wie Mehltau, aber im Verlauf des Liedes zumindest passagenweise den Blick ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 32
von Jürgen Otten
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