Der Mythos lebt
Das Jahr der Kollektive nimmt Fahrt auf. Die documenta 15 wirft mit ihrem indonesischen ruangrupa--Kuratorium lange Schatten voraus. Aber je näher das Top-Ereignis der Kunstwelt rückt, desto nebulöser wird, was in Kassel außer Diskursen im internationalen NGO-Jargon eigentlich stattfinden soll. Längst hat sich das, was man früher «Bildende Kunst» nannte, geweitet – hin zu Musik, Performance, weiteren angrenzenden Genres und Debatten jenseits rein ästhetischer Fragestellungen.
Im Gegenzug öffnen sich auch Musik- und Musiktheaterereignisse immer stärker der Kunst, der Performance, den Diskursen. Bis am Ende womöglich alles zusammenfließt auf kleinste gemeinsame Nenner? Bei der Berliner Maerz-Musik etwa entsteht beim Durchklicken der dysfunktionalen Webseite – ein gedrucktes Programmbuch gibt es nicht mehr – der Eindruck, dass Musik nur noch am Rande vorkommt und stattdessen Lectures, Workshops und Installationen die im Übrigen ziemlich verkopfte Dramaturgie des Festivals dominieren.
Auch das Amsterdamer Opera Forward Festival nimmt in der diesjährigen Ausgabe, endlich wieder live, unter dem Motto «New Beginnings» die genannten Trends mit einem breiten Angebot auf. Es leistet sich ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Regine Müller
Im «Einheitlichen Staat» funktioniert alles reibungslos, nach mathematischen Prinzipien eingerichtet vom Großen Wohltäter. Die Menschen tragen Nummern und sind alle gleich. Für ihre «glücklichen Stunden» werden sie einander zugelost, sodass sie sich nicht mehr in Gefühle verstricken müssen. Dem Großen Wohltäter sind sie dafür so dankbar, dass sie ihn regelmäßig...
Nur einmal in der Geschichte der Met, 1979 war das, wurde Verdis «Don Carlos» bislang mit dem dramaturgisch so ungemein wertvollen Fontainebleau-Akt gegeben. Insofern war es eine gute Entscheidung des Hauses, als Grundlage für die aktuelle Produktion auf die fünfaktige französischsprachige Erstfassung zurückzugreifen – allerdings (und dies nicht eben zum Vorteil...
Anlässlich des 50. Jahrestages des Kennedy Center hatte Francesco Zambella, Intendant der Washington National Opera, vier kurze Werke in Auftrag gegeben, die sich mit der Geschichte und Identität des Kennedy Center befassen sollten. Im Mittelpunkt stand dabei der Begriff des «Monuments» und damit die kontrovers diskutierte Frage, wie ein Gedenken an den Konflikt...
