Der Mythos lebt

Das Amsterdamer Opera Forward Festival spannt einen weiten Bogen von Orpheus zu postmodernen Formaten

Das Jahr der Kollektive nimmt Fahrt auf. Die documenta 15 wirft mit ihrem indonesischen ruangrupa--Kuratorium lange Schatten voraus. Aber je näher das Top-Ereignis der Kunstwelt rückt, desto nebulöser wird, was in Kassel außer Diskursen im internationalen NGO-Jargon eigentlich stattfinden soll. Längst hat sich das, was man früher «Bildende Kunst» nannte, geweitet – hin zu Musik, Performance, weiteren angrenzenden Genres und Debatten jenseits rein ästhetischer Fragestellungen.

Im Gegenzug öffnen sich auch Musik- und Musiktheaterereignisse immer stärker der Kunst, der Performance, den Diskursen. Bis am Ende womöglich alles zusammenfließt auf kleinste gemeinsame Nenner? Bei der Berliner Maerz-Musik etwa entsteht beim Durchklicken der dysfunktionalen Webseite – ein gedrucktes Programmbuch gibt es nicht mehr – der Eindruck, dass Musik nur noch am Rande vorkommt und stattdessen Lectures, Workshops und Installationen die im Übrigen ziemlich verkopfte Dramaturgie des Festivals dominieren. 

Auch das Amsterdamer Opera Forward Festival nimmt in der diesjährigen Ausgabe, endlich wieder live, unter dem Motto «New Beginnings» die genannten Trends mit einem breiten Angebot auf. Es leistet sich ...

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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Regine Müller

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