Die Sache mit der Libido
Ein von der Ehe gelangweilter Förster, eine ebenso frustrierte Frau, dann plötzlich, als verhängnisvolle «Chance», eine neue, animalische, von allerlei anderem Getier umgebene Gefährtin, das offerierte das BR-Symphonieorchester zu Anfang der Saison als «Familienkonzert». Leos Janáceks «Schlaues Füchslein» als Nettigkeitsoffensive für Jung und Alt, moderiert von Rufus Beck. Es war der Auftakt zu einer kleinen Serie, die Bände spricht über fehlende Absprachen im Münchner Musikleben.
Gleich drei «Füchsleins» in einer Spielzeit also, wobei die beiden nachfolgenden Institutionen die Sache mit der Nachwuchspflege anders verstanden: Die Bayerische Staatsoper vertraute das Stück ihrem zu neuer Blüte erwachten Opernstudio an, holte sich für die Produktion im Cuvilliéstheater Regisseur David Bösch. Das Gärtnerplatztheater machte gemeinsame Sache mit der Bayerischen Theaterakademie. Alle Aufführungen im Prinzregententheater waren mehrfach und «gemischt» besetzt: Bewährte Ensemblekräfte trafen auf Studenten. Nur selten war sofort hör- und sichtbar, wer am Anfang steht und wer schon einige Jahre Karriereerfahrung hat.
Böschs Produktion mit dem Opernstudio ist so etwas wie die Antithese zur ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Markus Thiel
Vor dem Eingang zur Pariser Opéra Comique stehen sie seit 1898 Seite an Seite, in Stein gemeißelt, überlebensgroß: Carmen und Manon, jene beiden Frauen, die nach den Worten des legendären Impresarios Albert Carré «die zwei Meisterwerke dieses Hauses und der französischen Musik» repräsentieren.
Ist es Manons Schuld, wenn heute Carmen die Spielpläne dominiert? George...
Die Pflege des neuen Musiktheaters – an der Deutschen Oper am Rhein bisher eine sporadische, unsystematische Anstrengung – soll jetzt unter Intendant Christoph Meyer zur regelmäßigen Pflichtaufgabe werden. Mit der Uraufführung der Holländer-Paraphrase «Sehnsuchtsmeer» von Helmut Oehring wird in der kommenden Saison ein prominenter Erneuerer der Oper vertreten sein,...
Bevor die Aufführung beginnt, liest der Besucher auf einer Schriftwand, dass sich das folgende Geschehen einige Jahre nach den in «Il trovatore» geschilderten Ereignissen begibt. Wie viele Jahre? Es müssen wohl 350 oder 400 vergangen sein, wenn ein Mann in Grau (Luna) das Foyer eines großräumigen Hauses mit mürb-roten Wänden betritt und von der Gastgeberin, einer...
